Die Strassen-Eisenbahn in die Wiler Altstadt - ein unbekanntes Projekt 1887 hatte der Wiler Gemeinderat beschlossen, beim „Profilieren" der FW die Weiterführung der Linie ins Zentrum der Äbtestadt untersuchen und vermessen zu lassen. Dann beauftragte man den St. Galler Ingenieur Otto Sand mit der Ausarbeitung eines Berichts. Otto Sand (1856-1921) leitete damals den Bau der Strecke St. Gallen -Gais mit der berühmten Ruckhaldenkurve und führte ab 1901 bis zu seinem Tod als Generaldirektor das Baudepartement der neuen SBB.
Am 1. September 1887 wurde die FW eröffnet. Am 14.Oktober 1887 lieferte Sand seinen „Bericht zum Project für eine Strassen-Eisenbahn vom Bahnhof der VSB bis in die Stadt Wyl" ab. Untersucht wurden zwei Streckenführungen, beide im Anschluss an die FW und die Betriebsart:
Die Variante I (673,6 m lang) führte vom Bahnhof über die Obere Bahnhofstrasse zum Schöntal, wo der Endpunkt auf dem kleinen Platz unter der Stützmauer gegen die Marktgasse bei der damaligen Eisenhandlung Senn geplant war. Für einen Wartepavillon oder Ausweichgleise war dort kein Platz vorhanden. Maximalsteigung beim Schönthal 66 %o.
Die Variante II (950 m lang) sah eine Strecke vom Bahnhof über die Untere Bahnhofstrasse, Toggenburgerstrasse, Stallengasse zum Viehmarkt vor, wo die Anlage von Nebengleisen und eines Wartepavillons möglich war. Maximalsteigung 69,6 %o.
Betrieblich rechnete Sand damit, dass die FW-Loks mit 2 Wagen die erwähnten Maximalsteigungen bewältigen könnten (FW-Maximalsteigung 46 %o). Und sogar der „scharfe Rank" vom Bahnhofplatz in die Obere Bahnhofstrasse war mit 45 m-Radius für die FW-Lokomotiven gerade noch zulässig.
Zur Auswahl standen Dampfbahn, Pferdetram oder ein gemischter Betrieb. Bei der Variante Dampf rechnete Sand mit dem Betrieb durch die FW. Um den Anschluss an die meisten Züge herzustellen, reichten aber weder die Verlängerung der FW-Züge in die Altstadt noch deren drei G 3/3-Lokomotivchen. „Von den 20, zu einem richtigen Omnibusdienst nöthigen Zügen, könnten höchstens 7, durch die gewöhnlichen Strassenbahnzüge ausgeführt werden und die 13 übrigen erheischten einen anderen Motor." Deshalb schlug Sand den Kauf einer zusätzlichen Lok für 19'000 Fr. oder von zwei Pferden, Pferdegeschirr und 2 Tramwagen für 9'200 Fr. vor.
Der Bericht rechnete die verschiedenen Varianten baulich und betrieblich durch, äusserte sich zur Gleisanlage und zum Schienenmaterial mit Erfahrungen von den Niederlanden über Hannover, Stuttgart bis zum elsässischen Rappoltsweiler (Ribeauville) und ging auf die Vor- und Nachteile der Betriebsarten ein. Am Schluss stellt Otto Sand aber die Frage, ob die jährlich rund 240'000 in Wil ankommenden und abreisenden Bahnpassagiere die Strassenbahn benützen würden? Seine Antwort lautete: „Aller Wahrscheinlichkeit nach nicht, und es müssten in Folge dessen nicht nur die Actionäre ohne Dividenden ausgehen, sondern vielleicht noch jährlich bedeutsame Opfer gebracht werden, um das Deficit der Betriebs-Ausgaben zu decken." Und so wurde das Projekt wohl schon vor 130 Jahren „beerdigt".
