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Mittelthurgaubahn

Öffentlicher Verkehr · Raum

Mittel-Thurgau-Bahn_-_Pendelzug_1965_preview.jpg
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Die Mittelthurgaubahn (abgekürzt MThB) mit Sitz in Weinfelden war eine Schweizer Privatbahn. Sie wurde 2003 einschliesslich ihrer Gütertochter Lokoop  freihändig liquidiert, ihre Aktivitäten sowie das Infrastruktureigentum wurden hauptsächlich von der SBB-Tochter Thurbo übernommen, die ursprünglich eine Allianz zwischen der MThB und den SBB bilden sollte.

Nachdem am 11. August 1890 ein Initiativkomitee zum Bau der Mittel-Thurgau-Bahn (MThB) in Kreuzlingen gegründet worden war, knüpfte dieses 1899 die ersten Kontakte zur Westdeutschen Eisenbahn-Gesellschaft AG (WeEG) mit Sitz in Köln. 1901 wurde dem Bundesrat ein Konzessionsgesuch für eine Normalspurbahn eingereicht, das von Ingenieur Jakob Ehrensperger aus Winterthur ausgearbeitet worden war. Die Schweizerische Bundesversammlung erteilte am 19. Dezember 1902 die Konzession für eine Eisenbahn von Wil über Weinfelden bis zur Landesgrenze bei Konstanz. 1903 wurde vom Großherzoglich Badischen Staatsministerium die Einführung der Bahnstrecke in den Bahnhof Konstanz zugelassen. 1906 schloss das Initiativkomitee einen für 15 Jahre unkündbaren Vertrag über den Bau und den Betrieb einer normalspurigen Eisenbahn Wil-Weinfelden-Konstanz mit der WeEG. In diesem Vertrag erschien erstmals der Name "Mittel-Thurgau-Bahn - MThB", unter welchem Namen am 28. April 1908 eine Aktiengesellschaft gegründet wurde. Die Aktienzeichnung begann am 26. November 1906. Das grösste Aktienpaket übernahm der Kanton Thurgau, weitere namhafte Beträge zeichneten die drei Städte Konstanz, Weinfelden und Wil SG sowie der Kanton St. Gallen. Weiter stiessen 27 Gemeinden sowie private Interessenten zum Aktionärskreis. Die WeEG steuerte ein pfandrechtlich gesichertes Obligationenkapital von 3 Mio. Franken bei.

Am 10. September 1909 erfolgte zwischen Weinfelden und der Thur der erste Spatenstich. 60'000 Kubikmeter Erdmassen wurden bewegt; unter den sieben zu erstellenden Kunstbauten waren vier grössere Objekte. Der Bussnanger Viadukt wurde erst spät in Angriff genommen, zuletzt der Abschnitt vom Weinfelden-Berg hinunter nach Weinfelden, weil Detailzulassungen auf sich warten liessen. 1911 begannen die Abnahmen der eisernen Brücken. Die Thurbrücke wurde mit drei Schlepptenderloks vom Typ B 3/4 der SBB durch je etwa 85 Tonnen Fahrmasse belastet. Weitere Untersuchungen des Unter- und Oberbaus, der Kreuzungen der Bahn mit Starkstromleitungen, der baulichen Anlagen und des Rollmaterials erlaubten schliesslich am 16. Dezember 1911 die Eröffnung der Stammstrecke Wil-Weinfelden-Kreuzlingen-Konstanz. https://de.wikipedia.org/wiki/Mittelthurgaubahn Ein Teil der Geschichte dieser Bahn, die jahrelang das Schmerzenskind unserer Gegend war, hat sich in aller Oeffentlichkeit abgespielt. Der andere, noch interessantere Teil findet sich in den Protokollen des Initiativkomitees, die von einer Unsumme von Arbeit, Ausdauer und Geduld Zeugnis ablegen, von berghohen Schwierigkeiten, die sich dem großen Werke in den Weg stellten und die vom Komitee unter der ziel-bewußten, nie ermattenden Führung von Herrn Nationalrat Dr. v. Streng überwunden wurden. Hunderte male mußte man in diesen zwei Jahrzehnten die Behauptung hören, daß die Bahn nicht zustande kommen werde. Bei vielen der Zweifler war der Wunsch der Vater des Gedankens. Aber das Initiativkomitee hat in allen den wechselnden Stadien das Banner des Optimismus entfaltet und dieser hat es ans ersehnte Ziel geführt.

Die Idee einer Bahnverbindung Wil-Weinfelden-Konstanz hat, als sie Ende der 80er Jahre auftauchte, bei den Behörden und der Bevölkerung dieser drei Gemeinwesen guten Boden gefunden. Im Auftrag der Gemeindebehörden von Wil und Weinfelden lud Herr Gemeindeammann Bornhauser, der die Wichtigkeit des Projektes gleich von Anfang an erkannte, die Vertreter der interessierten Gemeinden zur Besprechung der Frage der Erstellung einer Verbindungslinie Wil-Weinfelden-Konstanz auf den 11. August 1890 nach Kreuzlingen ein.

(Reprint der Festnummer der Wiler Zeitung zur Eröffnung der Mittel-Thurgau-Bahn, Wil, Dezember 1911)

Bildarchiv (9)

Mittel-Thurgau-Bahn_-_Bauarbeiten_bei_Lengwil.jpgMittel-Thurgau-Bahn_-_Bussnanger_Viadukt_im_Bau.jpgMittel-Thurgau-Bahn_-_Dampflokomotive.jpgMittel-Thurgau-Bahn_-_Erffnung_Weinfelden_1911.jpgMittelthurgaubahn_-_Fahrplan_1913.jpgMittel-Thurgau-Bahn_-_Gterzug_mit_Dampflokomotiven.jpgMittel-Thurgau-Bahn_-_Lngenprofil.jpgMittel-Thurgau-Bahn_-_Station_Bettwiesen_1911.jpg1961-10-22-Resultat-Elektrifikation-MThB-WB-23-10-1961.jpg

Quelle: wilnet.ch