Die Wiler Textilindustrie Obwohl sich bereits 1458 Abt Ulrich Rösch um die Einführung der Textilindustrie in Wil bemühte, kam diese zu jener Zeit nicht richtig in Schwung. Vor allem die St. Galler Konkurrenz mit ihrer qualitativ höchsten Ansprüchen genügenden Leinwand liessen den Wilern kaum Chancen. Auch weiteren Versuchen im 17. und 18. Jahrhundert blieb der Erfolg versagt. Nach der Strassenkorrektion von 1834/35 wurde ausserhalb der Altstadt erste Industriebetriebe eröffnet. Kreisammann Johann Baptist Müller aus Mosnang, der 1833 nach Wil gekommen war, gründete 1848 die Buntweberei gleichen Namens. 1853 wurde beim Friedtal ein neues Fabrikgebäude errichtet, um 1855 darin erstmals in der Schweiz mechanische Webstühle aus England aufgestellt. In ihrer Blütezeit beschäftigte die Firma 200-300 Arbeitskräfte. Ab 1892 wurde auf die Fabrikation von Filz umgestellt.
Den eigentlichen Aufschwung der Wiler Texilindustrie brachte im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts die Stickindustrie. Als bedeutenste Firma präsentierte sich die 1896 in Wil ansässig gewordene Unternehmung Reichenbach und Co., die bald über 200 Mitarbeiterinnen beschäftigte. Andere kleinere Firmen waren etwas früher entstanden oder etablierten sich gleichzeitig.
Zwischen 1880 und 1915 blühte die Stickereiindustrie. Auch die Wiler Bevölkerung nahm stark zu, sie verdreifachte sich beinahe (1880: 2530 Einwohner, 1920: 7337 Einwohner). Verschiedene Gründe, wie ein Modewechsel und zollpolitische Massnahmen wichtiger Absatzländer warfen die Textilindustrie um 1920 in eine tiefe Krise. Wirtschaftliche und politische Verhältnisse liessen in den Folgejahren keine weitere Expansion zu. In dieser Zeit erfolgte eine Umstrukturierung weg von der Textilindustrie hin zu andern Industriezweigen. 1912 entstand die Firma Högger, die spätere AGRAR für die Herstellung von landwirtschaftlichen Maschinen. 1929 wurde die Traktorenfabrik Hürlimann gegründet, die bald einen sehr guten Namen besass.
Die Wiler Textilindustrie erholte sich aber nicht mehr richtig von der grossen Krise der 20-er-Jahre des 20. Jahrhunderts. Viele Betrieb mussten aufgeben. In den Räumen der Fa. Reichenbach etablierte sich mit der Firma Ruckstuhl-Royal eine Strumpfwarenfabrik, die zum schweizweit grössten Unternahmen dieser Sparte wurde.
2014/15 wurde im Stadtmuseum Wil die Ausstellung "Textil in Wil" gezeigt. Dabei wurde auch Herr Willi Schwager gefilmt, der noch eine der letzten funktionstüchtigen Stickmaschine besitzt und sie auch bedienen kann. Mit Erlaubnis von Herrn Schwager darf der Film hier gezeigt werden.







