Raum

Kreuzkirche

Häuser · Raum

Die neue evangelische Kreuzkirche steht an der Stelle des alten Gotteshauses aus dem Jahre 1890. Dieses konnte der inzwischen auf fast 4'000 Seelen angewachsenen Gemeinde räumlich und baulich nicht mehr genügen. Der klugen Einsicht der Kirchgenossen, die den mutigen Entschluß fassten, es sei die alte Kirche abzubrechen und eine neue zu bauen, ist es zu danken, dass Wils Protestanten sich jetzt eines geräumigen, würdigen und gediegenen Gotteshauses erfreuen.

Am 15. Januar 1962 begann der Abbruch der alten Kirche. Danach setzten sofort die Bagger an zum Aushub tiefer Baugruben, bestand doch die Pflicht, die Kirche mit Luftschutzräumen zu unterkellern. Die Bauherrschaft verfolgte das Ziel, den Bau in etwa 14 Monaten zu vollenden. Ein überaus strenger Winter und die Verzögerungen als Folge unserer Hochkonjunktur machten aber diese Hoffnung zunichte. Im Augenblick, da diese Zeilen gedruckt werden, steht das Bauwerk erst knapp vor der Vollendung. Gleichwohl bietet sich Gelegenheit, darüber etwas zu berichten.

Die Kreuzkirche ist gebaut nach den Plänen des Architekten Walter Henne aus Schaffhausen. Die Aufgabe, die sich ihm stellte, war nicht leicht, stand doch nur ein verhältnismäßig kleines Baugelände zur Verfügung. Vielleicht aber war es gerade dieser Umstand, der zu der so glücklichen Lösung führte.

Künder und Wahrzeichen des kirchlichen Zentrums ist der Turm. Er steht aus technischen und architektonischen Gründen, und damit alter Tradition folgend, allein. Das Straßenbild erhält von ihm einen wohltuenden Akzent. Bis zur Spitze des Turmhahnes erreicht er die Höhe von fast 50 Metern. Diese Höhe war nötig, damit der Ruf der Glocken möglichst auch die Glaubensgenossen in den Außengemeinden erreiche. Überdies fügt er sich so besser ins Stadtbild und vermag neben den beiden andern, höher gelegenen Kirchtürmen eher zu bestehen.

In seiner Glockenstube hängen sieben Glocken im Gesamtgewicht von 11'503 kg. Bei der Wahl der Tonfolge: As c es f g b c" wurde sorgfältig darauf Bedacht genommen, daß sie sich harmonisch in die Geläute zu St. Nikolaus und St. Peter einordnen.

Eine besondere Zierde des Turmes bilden die Zifferblätter der Uhr, die mit 4,2 Meter Durchmesser groß und gut lesbar sind. Deren vergoldete römischen Zahlen auf schwarzem Grund passen trefflich zu der modernen Bauweise des "campanile".

Von der Toggenburgerstraße her, am Turm vorbei, über drei Treppen, betritt der Besucher den stimmungsvollen Kirchenhof, der von Kirche, Kirchgemeindehaus, Kindergarten und Mesmerhaus umrahmt ist. Über dem Hauptportal hängt, in schönem Kontrast mit der hellen Wand, ein in Bronce verzinktes, eisernes Kreuz, das mehr sein will als nur namengebendes Symbol der Kreuzkirche, Verkündigung der zentralen Botschaft, um die sich die Gemeinde in diesem Gotteshaus versammelt. Links und rechts der Eingangspartie, - die Türen sind etwas zurückgesetzt -, sind in der Mauer Natursteinplatten eingelassen und in ihnen eingeritzt, altchristliche Symbole, vorab die der vier Evangelisten. Mutig und frisch in der Komposition, gelang es dem Künstler U. Steiger, etwas spüren zu lassen von der Angriffigkeit dessen, was die Evangelisten der Welt zu verkünden haben.

Drei mit Kupfer überzogene Türen, gediegene Arbeit von Wiler Handwerkern, öffnen den Zugang zum Innern. Unter der etwas weit vorspringenden Emporendecke vorwärtsschreitend erlebt der Besucher den sakralen Raum und ist überrascht, ihn weit größer zu finden, als er von außen vermuten ließ. Der Blick wird sofort gefangen von dem mächtigen Chorfenster, das in dunkeln, feinabgewogenen Farben wie ein herrlicher Bildteppich erscheint. Es ist das Werk des jungen St. Galler Künstlers Alfred Kobel. Das ganze Fenster, 10 Meter hoch und 6 Meter breit, zeigt biblische Gleichnisszenen. In der unteren Bildhälfte erscheinen in einem Fries: Die törichten und die klugen Jungfrauen, der verlorene Sohn, der barmherzige Samariter und das Haus auf Fels und das Haus auf Sand gebaut. Darüber, in Uberlebensgrösse, der gute Hirte mit seiner Herde. Nach oben hin immer heller und strahlender werdend klingt das Bild aus in die Leuchtkraft himmlischer Herrlichkeit. So viele "Bilder" sind etwas ungewohnt für eine protestantische Kirche. Doch blieb der Gedanke richtunggebend, es müsse in der Kirche jederzeit - und die Kirche soll auch werktags offen bleiben -, eine Botschaft vernehmbar sein, wenn nicht durch Worte, so doch bildhaft, wie hier: die Botschaft vom Bereitsein, von der Vaterliebe, von der Nächstenliebe, von der Glaubenskraft, von der Hirtentreue, von der Seligkeit im Himmel.

Die Aussagekraft des Chorfensters gebot, die anderen Elemente im Raum möglichst einfach zu halten. So ist die Kanzel aus Nußbaum- und Ahornholz ganz schlicht gehalten, ebenso der Abendmahlstisch aus Sankt Michelstein, und, in die Chortreppe eingefügt, der Taufstein aus Laufener Kalkstein. Der Boden ist mit Solenhoferplatten belegt, dem die eschenen Bänke sich unauffällig angliedern. Ungewohnt, aber schön, erscheint die Decke aus stark astigem, unlackiertem Fährenholz. Die vielen Äste beleben sie angenehm. Sie folgt in der Form streng dem achteckigen, kupfergedeckten Zeltdach und endigt in der Spitze in einer sogenannten Laterne. Diese dient der besseren Belichtung und Belüftung des Raumes.

Dem Chor ist auf beiden Seiten je ein kleiner Raum angegliedert. Der eine dient als Wartzimmer für Taufen, der andere als Pfarrzimmer und Sakristei. Die zwei Räume erhalten sinnvolle Betonung durch ein Mosaik aus der künstlerischen Hand von Frau Gertrud Hürlimann-Stiefel. Aus Natursteinen zusammengefügt, zeigt das eine Bild die Austreibung des ersten Menschenpaares aus dem Paradies, das andere die Kundschafter, die, eine Weintraube an der Stange tragend, aus dem gelobten Land zurückkehren.

Aus dem Schiff führen zwei Treppen auf die geräumige Empore. Hier thront "ad maiorem gloria dei" die Orgel. Sie wurde erstellt in den Werkstätten der Firma Kuhn in Männedorf nach den Entwürfen von Otto Spörri, der über das Instrument folgendes schreibt: "Für die Größenbestimmung der Orgel waren das Personenfassungsvermögen und der Kubikinhalt des umbauten Raumes massgebend, aber ebensosehr mußten auch die kirchenmusikalischen Ansprüche der kulturell aufgeschlossenen Stadtbevölkerung berücksichtigt werden. So wurde denn ein Instrument mit 48 effektiven und 4 aus diesen ausgezogenen Registern entworfen, die verteilt sind auf die 4 Werke: Hauptwerk = majestätisch (10 Register), Kronpositiv silberhell (12), Schwellwerk = feierlich (17), Pedalwerk = gravitätisch (13). Im ganzen sind 3'014 Pfeifen vorhanden, deren längste ca. 5 m und die kleinste ca. 5 mm misst. Der Tonumfang der Orgel reicht vom Subkontra C bis zum 6-gestrichenen g, umfaßt somit 91/2 Oktaven, also 21/2 mehr als das Klavier.Da der Kirchenraum relativ hoch ist, konnte die Orgel auch stark nach der Höhe gebaut werden, wodurch auf der Empore reichlich Platz für einen vielseitigen Kantoreidienst gewonnen wurde.

Der Klang der Glocken der Kreuzkirche ist auf youtube.com/ wie folgt zu hören: youtube.com/…_ youtube.com/…_

Bildarchiv (6)

Kreuzkirche_Renovation_2004.JPGKreuzkirche-Situationsplan.jpgKreuzkirche-Architekt-Walter_Henne.jpgKreuzkirche-Wiler-Bote-01-10-1959.jpgKreuzkirche-Wiler-Bote-06-10-1959.jpgKreuzkirche.JPG

Quelle: wilnet.ch