Wann genau der "Wilde Mann" an der Marktgasse erbaut wurde, ist leider nicht bekannt. Verschiedene bauliche Eigenheiten deuten auf die Zeit um 1530 hin. Der Name könnte sogar noch älter sein, ist doch bereits im 15. Jahrhundert ein Wildhans Waldmann als Besitzer einer Liegenschaft an der Marktgasse urkundlich erwähnt. In der Wiler Wirteordnung von 1583 ist der "Wilde Mann" ebenso zu finden wie in allen folgenden. Die Bürgerstube im zweiten Stock mit ihrem barock ausgestatteten, spätgotischen Interieur ziert eine Doppeltür mit dem Datum 1588. In den städtischen Bauamts-Rechnungen des 17. Jahrhunderts sind weitere Erwähnungen zu finden. So versteuerte der "Wilde Mann" anno 1684 134 Eimer Wein, eine Menge, die aber im 18. Jahrhundert nie mehr erreicht wurde. In der Wirtsordnung von 1630 wurde dem Gasthaus ausdrücklich der Status einer Taverne zuerkannt, es durften also Gäste über Nacht aufgenommen werden.
Im Jahr 1795 wurde das ältere Haus mitsamt dem Brunnen davor unter Vorverlegung der Nordfront an die heutige Baulinie erweitert. Eigentümer des Neubaus, der damals auf 2'000 Gulden Wert geschätzt wurde, war Johan Niklaus Wieland. Dessen Erben verkauften anno 1825 die Liegenschaft für 2'020 Gulden an den "Sternen"-Wirt und Metzgermeister Gallus Grüebler. Dieser war ein Nachfahre des zweitletzten fürstäbtischen Reichsvogts Pankraz Grüebler, der das "Baronenhaus" errichten liess. Um 1850 übernahm der Sohn, Johannes Grüebler, der ebenfalls Metzgermeister war, den Betrieb. Er erwarb 1877 von Altarbauer Alois Holenstein für 18'000.- Franken das westseitige Nachbarhaus, das seither als Nebengebäude zum Stammsitz gehört.
Im Jahr 1895 verkaufte Meister Johannes das ganze Anwesen für nunmehr 40'000.- Franken an seinen Sohn Karl Louis Grüebler, der bis 1914 als angesehener Gastwirt und Metzgermeister amtete. Nach seinem Tod führte vorerst dessen tatkräftige Witwe Bertha Grüebler-Widmen den Betrieb weiter, bis der Sohn, Karl Heinrich Grüebler in die Fusstapfen des Vaters trat. Für Fr. 121'500.-übernahm er 1928 das ganze Doppelgeschäft samt Zubehör. Er erweiterte das Stammhaus an der Südseite, gegen die Kirchgasse hin, um eine Terrasse mit neuer Treppe.
Nach seinem Tod 1961 übernahm vorerst seine Witwe, Frau Bertha Grüebler-Hilber, das Steuer, bis 1963 der Sohn, Metzgermeister Ludwig (Louis) Albert Grüebler, die Nachfolge antrat. Ihm verdankt der "Wilde Mann" seine heutige gepflegte Innen-Ausstattung. Seit 1976, nach dem Tod von Louis Grüebler, führt nun Frau Pierrette Grüebler-Amstutz den "Wilden Mann" im Bewusstsein der langen Tradition. Das prächtige, handgeschmiedete Rokoko-Aushängeschild gegen die Marktgasse mit dem Erinnerungsdatum von 1690 weist dem Besucher auch heute noch den Weg in eine der ältesten und schönsten Gaststätten Wils.
(Olbrich, Willi; Gastliches Wil, Wil 1989) Heute ist der "Wilde Mann" die Tapas-Bar "El Pincho". https://www.elpincho.ch/






