Raum

Wirtschaft "Zum Bad" bzw. "Zum Bädli"

Abgebrochene Häuser · Raum

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Im Jahr 1844 erbaute Johannes Stadler am Unteren Weiher ein stattliches Badehaus, das im Verlaufe der Zeit versch iedene Funktionen erfüllte. Ursprünglich war das «Bädli» nur als Wiler Badanstalt konzipiert. Am 7. Mai 1878 war die Eröffnung des Bades, es konnte jeden Tag von morgens 6 Uhr an gebadet werden. Das Angebot bestand vorwiegend aus Sole- und Meersalz-Bädern. Dass Baden Durst und Hunger macht, wussten schon die alten Wiler mit ihren Badstuben. So ist im Eröffnungsinserat von Wirt Klemens Kümi vom Mai 1888 denn zwar das Badangebot dominierend, doch lockt in der Überschrift vor allem der Titel «Wirtschaft zum Bad Wyl». Bereits im Mai 1890 erfolgte der erste Wechsel zu Joseph Mayer, der ein breites Angebot anpries, nämlich «täglich warme Bäder, Sool- & Meersalzbäder, Douchen», aber auch eine Wirtschaft mit Kegelbahn. Im Mai 1892 wurde die Eröffnung einer neuen Kegelbahn ganz speziell erwähnt.

12 Bäder konnten damals im Abonnement zu Fr. 6.- und Fr. 8.- genossen werden. Geöffnet war das Bad auch Freitag, Samstag und Sonntag. Bis 1905 wurde die Wirtschaft nur als «Sommerwirtschaft» betrieben, später als ganzjähriges Speiserestaurant.

1894 übernahm Gottlieb Maier das «Bädli». Ihm folgte schon im April 1895 Josef Schneider. Bad und Restaurant verblieben aber im Besitz der Familie Maier. Witwe Cäcilia Maier war im Oktober 1898 gezwungen, das ganze Anwesen zur Versteigerung zu bringen. Der Verkauf erfolgte am 21. November 1898 zum Preis von Fr. 16000.-.

Erst am 9. April 1899 wurde die Wirtschaft «Zum Bad« unter der Leitung eines Geranten, Severin Scheiwiller, wieder geöffnet. Das Bad wurde zwei Tage später von der Besitzerin des ganzen Anwesens, Witwe Anna Brändli-Pfister, der Öffentlichkeit vorgestellt. Doch bereits Ende Oktober 1899 schloss das «Bädli» wieder. Mitte Juni 1900 amtete Arnold Knöpfel-Alder von Hundwil. Er empfahl neben den Salz- und Solebädern auch Eichenrinde- und Krüschbäder, selbstverständlich auch reelle Weine und Flaschenbier.

Ab März 1904 folgte Georg Diem aus Stuttgart, der zum Abschluss des Sommerpatents am 29. Oktober zu einem gemütlichen Abend «bei vorzüglichem Gans- und Entenbraten, Sauerkraut und Schweinis» einlud. Nun, trotzdem musste Georg Diem Konkurs anmelden, am 10. April 1905 gelangte das Bad mit Wirtschaft zur Versteigerung. Diem, als begeisterter Erfinder und Patentinhaber von transportablen Kegelbahnen bekannt, geriet nämlich durch seine eher erfolglosen Versuche bald in akute Geldnot. Auch der nächste Besitzer, Carl Mäusle aus Laimbach/Bayern blieb nicht lange und so wechselten die Besitzer und Saisonpächter in rascher Folge, bis ab 1909 mit Johann Lüthi ein Wirt für längere Zeit blieb. Sicher war die Umwandlung vom Saisonpatent zum Vollpatent ein wichtiger Punkt, der eine längerfristige Verpflichtung erst erlaubte.

Ab 1923 waren wieder viele Wirtewechsel an der Tagesordnung. Als letzter Wirt und Badewart amtete Josef Hug, der als sympathischer, lustiger Gastronom in Erinnerung blieb, erlaubte er doch seinen Kunden, während des Bades einen Blick in die Wirtsstube zu werfen. So dünn war nämlich die Trennwand mittlerweile geworden! Über 10 Jahre stand die Liegenschaft bereits leer, als sie am 23./24. Oktober 1982 anlässlich einer Übung der Luftschutzkompanie IV/23 unter dem Wiler Hauptmann Beda Sartori mit «militärischen Ehren» fach- und umweltgerecht, unter Schonung der Bäume, abgebrochen wurde.

(Olbrich, Willi; Gastliches Wil, Wil 1989)

Bildarchiv (7)

Baedli-FA06683.jpgBaedli-FB00952.jpgBaedli-WZ-28-09-1982.jpgRestaurant_Bad_WZ-19.04.1978.jpgRestaurant_Bad_WZ-07.10.1982.jpgRestaurant_Baedli-05.10.1982.jpgWirtschaft_zum_Bad.jpg

Quelle: wilnet.ch