Löwenapotheke prägte 95 Jahre die obere Bahnhofstrasse in Wil Zwei Stockwerke umfassender Mansardendachbau mit quadratähnlichem Grundriss. Ein schlanker Mittelerker belebt die symmetrisch aufgebaute Hauptfassade. Die übrigen Seiten sind einfacher und strenger gestaltet. Verschiedene Fensterformen und Materialwahl lassen das Sockelgeschoss vom Obergeschoss optisch abstechen. Es besteht aus einem Sockel aus Granit, darüber aus quadriertem Sandstein und es wird von einem Gurtgesims abgeschlossen. Vier Rundbogenfenster und drei flachbogige Türen gliedern das Erdgeschoss vertikal. So das Ortsbildinventar des Kantons St. Gallen, so kannten sie auch die Wilerinnen und Wiler: die Löwenapotheke. Sie prägte fast ein Jahrhundert lang das Bild der oberen Bahnhofstrasse.
Ein gelungenes Werk Die Löwenapotheke gilt als ein gelungenes Werk von einem der wohl bekanntesten Architekten der Ostschweiz, August Hardegger. Der 1858 in St. Gallen geborene Hardegger, der unter anderem als Erbauer Liebfrauenkirche in Zürich, der St. Otmarskirche St. Gallen und des neugotischen Kirchenschiffes von St. Peter in Wil bekannt wurde, erbaute die Löwenapotheke 1898 im neugotischen Stil. Dank dem Zusammenspiel der drei Gesteinsarten Granit, Bachstein und Ziegelstein, war der Bau der Apotheke ein äusserst sparsames Projekt. Bis 1928 gehörte das Haus Dr. Reutty, Sohn des Apothekers Josef Reutty von der Hofapotheke in Wil. Dann übernahm für acht Jahre Dr. Giezendanner das Geschäftshaus, bis es schlussendlich 1936 in den Besitz von Dr. Max Städler gelangte. Damals war neben der Apotheke noch das Kaffee- und Kolonialgeschäft Merkur und viel später noch der Käse-Seppli eingemietet.
Zahn der Zeit hat genagt Trotz erheblichen Investitionen des Eigentümers besonders in die unstabilen Fundamente -sie wurden mehrmals massiv unterfangen - konnte ein einseitiges Absinken des Baukörpers nicht verhindert werden. Daher wurde bereits vor zirka 15 Jahren eine Neubaulösung ins Auge gefasst, die nach Ausserkraftsetzung der städtischen Unterschutzstellung des Objektes und nach weiteren Hindernisläufen endlich dieses Jahr in Angriff genommen werden konnte.
Neugotik zu Postmoderne Wo 95 Jahre die Löwenapotheke in ihrem neugotischen Stil gestanden hat, entsteht nun ein postmodernes, klassisches Geschäftshaus. Neben der Löwenapotheke selbst wird es ein weiteres Ladenlokal, verschiedene Arztpraxen, eine Dialysestation und eine Dachwohnung beherbergen. Die Löwenapotheke als Geschäft bleibt aber Apotheke, Drogerie und Parfümerie. Als Neubauwerk - in einfacher, prägnanter Linienführung gehalten - wird sie das Bild der Oberen Bahnhofstrasse mitprägen.
(Wiler Jahrbuch, Wil 1993)


















