Wiederholt wurde in den folgenden Jahren über die grundsätzliche Sanierung des Wiler Wasserversorgungsnetzes diskutiert. Vor allem die Kostenfrage erregte die Gemüter.
1872 liess der in Wil wohnhafte Ingenieur Gubser auf eigene Kosten ein Projekt für eine Wasserversorgung mit Hydranten erstellen. Im November des selben Jahres genehmigte die Bürgerversammlung den Vorschlag, der aber infolge kriegsbedingter Preiserhöhungen für Metallröhren zurückgestellt werden musste. Im Sommer 1873 wurde zusätzlich beschlossen, die Anlage auf das ganze Stadtgebiet auszurichten. Allerdings wurde dadurch die Abhängigkeit von einer Quelle, der Forrenquelle nämlich, als zu grosses Risiko eingestuft. Als Lösung wurde der Einbezug anderer Quellen und die Aufteilung in ein Hochdruck- und ein Niederdrucknetz projektiert. Der Gemeinderat wurde 1874 von der Bürgeschaft beauftragt, ein Gutachten und ein Projekt mit Kostenbeschrieb für die umfassende Lösung erstellen zu lassen und dieses raschmöglichst vorzulegen.Nach eingehenden Konsultationen mit der damals führenden Autorität auf diesem Gebiet, mit dem Zürcher Stadtingenieur Bürkli, und in Zusammenarbeit mit Ingenieur Weinmann, dem Direktor der Winterthurer Wasserversorgung, wurden Plan, Projekt und Kostenbeschrieb ausgearbeitet. Im Frühsommer 1875 war es soweit, an der ausserordentlichen Bürgerversammlung vom Sonntag, den 6. Juni 1875 wurde das Gutachten des Gemeinderates eingehend besprochen und entschieden. Der sehr umfangreiche Bericht zeigt eindrücklich die damalige Situation in Wil, dokumentiert aber auch die gewissenhafte Arbeit der Wiler Stadtväter. Zuerst wird auf die historische Situation eingegangen:
"Die Stadtgemeinde bezieht seit alten Zeiten das Trinkwasser aus dreien Standorten derselben sich hinziehenden hügelweise, und zwar hauptsächlich aus der sog. Fohrenquelle, 667 Meter über Meer in der Langegg gelegen, und der Weierwiesquelle 601 Meter über Meer in der Weierwiese des Herrn Ruckstuhl, daneben dienten noch die in gleicher Wiese befindliche Eichquelle und die sog. Rathausquelle einzelnen Quartieren für ihre Wasserbedürfnisse. Ausser den letztgenannten lieferten alle Quellen ein gesundes und frisches Trinkwasser in ausreichendem Masse, selbst in Zeiten grösster Trockenheit. Es waren nicht gerade das Bedürfnis nach Trinkwasser, das im Schosse der Gemeindebehörden einer rationellen Wasserversorgung des Ortes rief, obwohl auch in nächster Zeit ernstlich die Frage der Zuleitung der Hauptleitung an sie herangetreten wäre. Die Fohrenquellleitung, über Rossreuthe, Breitenloo nach Wyl geführt, ist in hölzernen Deucheln von der Langegg bis in die Stadt gelegt und der gänzlichen Erneuerung sehr bedürftig, so dass die Entscheidung über Fortbestand der hölzernen Deuchel, oder die Legung eiserner Rohre vorgelegen wäre. Hätte das erstere beliebt, so wäre immerhin eine Ausgabe von ca. Fr. 10'000.-- erwachsen, während es bei dem Letzten wahrscheinlich Fr. 33'000.-- bedurft hätte. Ein grundsätzlicher Entschluss musste ohnehin getroffen werden, weil die Erstellung des einten Theiles der Leitung in Eisen und des anderen in Holz zu mehrerlei Störungen des Betriebes geführt hätte. Ferner harrten das neue Bleiche- und Bahnhofquartier schon längst auf Befriedigung ihres Wasserbedarfes, den sie bis jetzt entweder weit entfernt, oder gegen Entschädigung bei Privatbrunnen beziehen mussten. Ebenso ist die Wasserversorgung des Gemeinde-Krankenhauses eine sehr unzureichende und beschäftigen sich die Behörden seit Langem mit der Frage, wie dieser Anstalt das nöthige Trinke- und Waschwasser in reichlicherem Maasse zugeleitet werden kann.
Jedoch waren es nicht diese Voraussichten, welche die heute projektierte Wasserversorgung mehrentlich geboren haben, sondern einmehr der fühlbare Mangel an nöthigem Wasser zur Bewältigung eines im oberen Theile der Stadt ausbrechenden Brandes."
Im weiteren wird das Projekt detailliert vorgestellt. Generell sah es zwei Teile vor, einen Bereich "Hochdruck" vom Hofberg her und eine Netz mit Niederdruck aus der Weierwiese. Die Forrenquelle sollte dabei neu gefasst werden und die Brunnenstube repariert werden. Ein Hochdruckreservoir "Hofberg" und ein Niederdruckreservoir beim Waisenhaus am Bergtalweg sollten gebaut werden, das Netz, über 5'100 Meter, neu aus gusseisernen Rohren von 200 bzw. 150 mm Lichtweite erstellt werden. 47 Hydranten im Abstand von 40 - 60 Metern sollten als Brandvorsorge erstellt werden. Neu sollte, wer es wünschte, einen privaten Hausanschluss erhalten, so dass nicht mehr zu den öffentlichen Brunnen gelaufen werden musste. Die Kosten für den Anschluss müssten selbst getragen werden, für das Wasser sollte ein Wasserzins erhoben werden. "... Es ist zu hoffen und vom verständigen Theil unserer Bevölkerung zu erwarten, dass sich auch in Wyl, wie in den grossen Städten, in denen bereits Hochdruckwasserleitungen zur allgemeinen Wohlzufriedenheit bestehen, die Ueberzeugung immer mehr .Bahn breche, wie sehr der Bezug des Wassers direkt in die Häuser für die Reinlichkeit und Annehmlichkeit von Nutzen und wie unvernünftig ein.Herumtragen des Wassers sei, das ja nun selbst in alle Zimmer eines Gebäudes aufzusteigen vermag."
Für die Finanzierung wurde vorgesehen, die projektierten Kosten von Fr. 130'000.-- vor allem durch eine öffentliche Anleihe (Fr. 60'000.--) aufzubringen. Fr. 50'000.-- waren von der Ortsbürgergemeinde bereits zugesichert, so dass der öffentliche Haushalt noch mit Fr. 20'000.-- belastet wurde. Der Plan, das Gutachten und die Berechnungen leuchteten ein, das Projekt wurde angenommen und in den folgenden Jahren so ausgeführt. Auch wenn heute praktisch alle damaligen Leitungen schon wieder ersetzt sind, ist die grundsätzliche Ausrichtung von 1875 immer noch erkennbar.
