Arbeit & Wirtschaft

Thurlindengerichtsplatz

125 Jahre Wil Tourismus · Arbeit & Wirtschaft

1985 beschliesst der Vorstand, den Thurlindengerichtsplatz neu zu gestalten (Vorstand 3.4.1985) mit dem Ziel, diesen historischen Ort entsprechend seiner Bedeutung als Stätte der Wahrheitsfindung und der Rechtssprechung wieder sichtbar zu machen. Mit dem Grundbucheintrag vom 12.1.1953 erwirbt der VVW von Lorenz Hubmann, Landwirt in Rickenbach, das sogenannte Thurlindenareal von ca. 3,35 Aren. Auf einem Stein wird eine Erinnerungstafel angebracht. Noch bis Frühjahr 1987 ist der Platz überwuchert und in "eher unansehnlichem Zustand". Dazu kommt, dass ein Bauer die Absicht bekundet, auf der Parzelle einen Schrebergarten anzulegen. "Er wies auch auf das Projekt eines Schweinestalles hin, der westlich des Grundstücks errichtet werden soll" (Vorstand 3.9.1985). Es war ein glücklicher Umstand, dass der VVW in der Jungen Wirtschaftskammer Wil (die örtliche Sektion der weltweiten "Junior Chamber International") einen Partner findet, der sich anerbietet, "einen Beitrag an die Umgestaltung des Platzes zu leisten" (Vorstand 26.8.1986). Das auszuführende Projekt basiert auf einem Entwurf von Stadtförster Anton Ziegler. Die Junge Wirtschaftskammer übernimmt die Planung der Umgestaltung des Areals und die dazu notwendigen Arbeiten. Es sind grössere Räumungs-, Erdbewegungs- und Wiederbegrünungsarbeiten notwendig, um den Bereich zu öffnen. Der Kostenvoranschlag beläuft sich auf über Fr. 43'000.-.Nach Vollendung der Arbeiten, also reichlich spät, erhebt der westliche Grundstückanstösser Einsprache wegen Nichteinhalten des Grenzabstandes. Dabei ist allerdings festzuhalten, dass die am Grundstück vorbeiführende "Güterstrasse nie in den (im Grundbuch) eingetragenen Ausmassen angelegt wurde" (Vorstand 8.6.1989). Es muss eine kostspielige Umgestaltung vorgenommen werden. In Erinnerung an die einstige Gerichtslinde, unter der Gericht gehalten wurde, setzt man zum Abschluss der Arbeiten am 31.10.1987 eine Linde. Die Einweihung des Thurlindengerichtsplatzes erfolgt am gleichen Tag mit einem gehaltvollen Vortrag von Edi Schnellmann, Präsident des Bezirksgerichts Alttoggenburg, mit dem Titel "Erinnerungen an das einstige Thurlindengericht." "Stark lehmhaltiges Aufschüttmaterial hat Wasserstauungen verursacht, was zum Absterben der Linde führte (...). Notwendig wird eine bessere Humusierung des Terrains sein" (Vorstand 10.11.1988). Die Bernhard Baumschulen AG stiftet eine neue Linde, eine Tilia Euchlora (Krimlinde) im Wert von 1'530 Franken "als Jahresbeitrag für einige Jahre", wie im Brief zum Lieferschein vom 13.3.1990 vermerkt wurde. Doch nicht genug des Unheils für den Baum. "Beim Thurlindengerichtsplatz wird die Linde durch Feuer stark beschädigt. Fachleute raten, den nächsten Frühling abzuwarten. Der Baum könnte sich aus eigener Kraft erholen" (Vorstand 31.8.1993). Die Vermutung hat sich in der Folge bewahrheitet. 2008 erneuert Wil Tourismus die Gedenktafel auf dem Platz mit finanzieller Unterstützung durch den Lions Club Wil. Noch im gleichen Jahr gibt die Vereinigung der Kunst- und Museumsfreunde Wil und Umgebung die Ausführungen von Edi Schnellmann, ergänzt durch weitere historische Forschungsergebnisse, als Jahresgabe für ihre Mitglieder heraus.

(aus: 125 Jahre Wil Tourismus 2009)

Quelle: wilnet.ch