Kultur

Lengg, Paul (1914 - 2006)

Theater & Literatur · Kultur

Am Abend des 8. März 2006 ist Paul Lengg, Pfarrer i.R., zu seinem Schöpfer heimgerufen worden. Viele werden sich noch an den einsatzfreudigen Kinderpfarrer in St. Peter, Wil, erinnern.

Obwohl sein offizieller Titel im Laufe der Jahre auf „Pfarrer Rector ecclesiae“ und seit dem 1. Januar 1986 auf „Primissar“ geändert wurde, blieb er für die Jugend der „Kinderpfarrer“. Tausende hat er auf die erste Heilige Kommunion und auf die Firmung vorbereitet. Seine Religionsstunden waren sehr beliebt. Paul Lengg verstand es, ergreifend Gleichnisse zu erzählen und Gedichte zu rezitieren. Immer wieder betonte er: „Der Unterricht darf nicht zu ernst werden, etwas Spass gehört einfach dazu.“ Über 35 Jahre lang (1951 bis 1986) stand der Verstorbene im Dienst der Pfarrei Wil. Auch nach seiner Pensionierung stellte er sich zur Verfügung. Still und mit einem tiefen Glauben wirkte Paul Lengg für die Menschen vor Ort. Die persönliche Seelsorge war ihm wichtig und das Geheimnis der Eucharistiefeier ein echtes Herzensanliegen. Der kirchlichen Gemeinschaft diente er zusätzlich in vielen Kommissionen und Gremien auf lokaler und regionaler Ebene.

Paul Lengg wurde am 14. Mai 1914 geboren, aufgewachsen ist er in Oberbüren. Die Maturitätsprüfungen schloss er in Schwyz ab, danach folgte das Theologie-Studium in Fribourg. 1941 wurde Paul Lengg in St. Gallen zum Priester geweiht. Seine ersten Berufsjahre führten ihn vorerst nicht als Priester, sondern als Lehrer der deutschen Sprache ins Kollegium nach Schwyz. Zusätzlich absolvierte Paul Lengg ein Germanistik-Studium in Zürich. 1948 kehrte er in die Seelsorge der Diözese St. Gallen zurück. Zunächst wurde Paul Lengg Kaplan in Alt St. Johann, ab 1951 war er Kinderpfarrer in Wil, aber nicht ausschliesslich. Paul Lengg war ein Seelsorger für alle, die sich ihm anvertrauten, für Menschen in vielerlei Nöten, für Betagte und Kranke oder als Präses in verschiedenen Vereinen.

1991 durfte der Primissar sein diamantenes Priesterjubiläum feiern. Gesundheitliche Störungen machten ihm damals schon mehrere Jahre lang zu schaffen. Er lebte eher zurückgezogen in seiner Wohnung, feierte aber immer noch Tag für Tag im Kreis einiger Christen aus der Nachbarschaft die Eucharistie.

Paul Lengg war nicht allein als Seelsorger bekannt, sondern auch als feinfühliger Dichter. Noch 1998 erschien eine ausgewählte Sammlung seiner Gedichte unter dem Titel „Erntefeier“. Das Büchlein liest sich wie die Lebensernte eines Menschen, der mit aufmerksamen Augen und mit einem liebenden Herzen den kleinen und grossen Bildern des Lebens nachspürt, das Auf und Ab der Lebensphasen kennt und zu deuten versteht. Aus seinen Gedichten spricht auch die Liebe zum Fürstenland und zur Stadt Wil, die er in feinen Worten und Versen ausgedrückt hat. Paul Lengg hat seine ewige Heimat gefunden.

In einem Gedicht schreibt er über die letzte Reise:

„Dann löst sich das Streben des Herzens vom Schein, es wurzelt dein Leben im Ewigen ein.

Der Segen der Stille kommt über dich her, mit fliessender Fülle beglückend dich sehr.

So gib dich gelassen dem Göttlichen hin, da Grosses wird fassen vertrauender Sinn.“ (inf.) bistum-stgallen.ch/…_

Quelle: wilnet.ch