Arbeit & Wirtschaft

Stadtmuseum Wil

125 Jahre Wil Tourismus · Arbeit & Wirtschaft

Von den Anfängen des Wiler Stadtmuseums Den Anstoss zur Realisierung eines Museums gab Lehrer Ulrich Hilber (1863-1939) in der Versammlung des Handwerker- und Gewerbevereins. Dieser möchte die Gründung eines Museums dem VVW übertragen. An einer Comité-Sitzung am 24.5.1907, zu der Vertreter der Behörden, Kunstfreunde und Historiker eingeladen werden, berichtet Hilber, er hätte auf einer Reise nach Lüttich an grösseren und kleineren Orten Ausstellungen mit ortsgeschichtlichem Charakter besichtigt, die ihn auf den Gedanken brachten, eine solche Ausstellung auch in Wil zu realisieren. Er erinnert an Männer, die sich auf diesem Gebiet betätigten: Landammann Sailer, Direktor Müller, Buchbinder Sailer, Herr Kopp im Hof, Herr Stadtammann Dr. Wild, usw. "Alle haben ehrendes Zeugnis abgelegt für ihren Kunstsinn und für die Förderung der Geschichte Wils." - "Auch die Behörden haben keine Mühen und Opfer gescheut und für die Erhaltung wertvoller Gegenstände gesorgt." - "Nach allen diesen günstigen Vorbedingungen scheine die Realisierung des Projektes wohl möglich zu sein." Viele Votanten sprechen sich für die Gründung eines Museums aus. "Die Vertreter der Ortsgemeinde vorab bekunden ihre Sympathie dem Unternehmen gegenüber und stellen auch die materielle Unterstützung seitens ihrer Behörde in Aussicht. Herr Stadtammann Dr. E. Wild ist persönlich der Sache auch zugetan, wenn er es auch begrüsst hätte, dass der Verein sich vorerst an die Errichtung einer Badanstalt herangewagt hätte." Wesentliche finanzielle Unterstützung ist von der politischen Gemeinde allerdings nicht zu erwarten. Die gegenwärtigen finanziellen Verhältnisse und die bevorstehenden grossen Ausgaben der Gemeinde verunmöglichen ein Engagement. "Vorerst wünscht Herr E. Wild auch, dass unserer Jugend, überhaupt der Bevölkerung, eine vermehrte Kenntnis der Geschichte und Freude an der Ortskenntnis beigebracht werden möchte."Als Ausstellungsraum "offeriert Herr Kopp zum Hof in anerkennenswerter Weise ein Lokal in seinem Etablissement, die sog. "Hofkapelle" (heute Äbtekapelle genannt). Allerdings sollte dieses Lokal vorerst noch restauriert werden. Die Kosten hiefür möchte er aber, da er des vielen Bauens bereits müde sei, nicht allein auf sich nehmen." - "Eine vorausgehende Ausstellung historischer Gegenstände könnte zeigen, was für Material sich vorfinde." Auch soll die Einwohnerschaft "mittelst Publikation aufmerksam gemacht werden, die Altertumsgegenstände nicht nach auswärts zu veräussern, sondern im Ortsinteresse aufzubewahren und dem zu gründenden Museum zu reservieren." Der Angst vor hohen Kosten wird entgegengehalten, dass viele Gegenstände mit Eigentumsvorbehalt dem Museum überlassen werden können und "dass sich nach und nach immer mehr Freunde und Gönner finden würden.""Zur weiteren Beratung der Sache wird eine Kommission gewählt, bestehend aus Lehrer Ulrich Hilber, Kopp zum Hof, Huber Kunstmaler, Rudolf Sailer Buchbinder und G. Strassmann, Stickerfabrikant, dazu noch zwei vom Comité des Verkehrs- und Verschönerungsvereins bezeichnete Mitglieder. Glückauf dem Unternehmen" (Comité 24.5.1907).

Die Altertums-Ausstellung Für eine vorübergehende Ausstellung von Altertümern offeriert Herr Oskar Kopp-Diener zum Hof die Äbtestube. Zur Herrichtung eines permanenten Lokals kann er sich aus Kostengründen noch nicht entschliessen (HV 17. Mai 1909). Die Altertums-Ausstellung mit über 600 Objekten soll vier Wochen dauern, wenn möglich ab 15. August 1909 (Comité 3.8.1909). Es wurde ihr ein "befriedigender Erfolg" attestiert. Am 3. November 1909 wird ein Mietvertrag geschlossen zwischen O. Kopp und dem VVW, gemäss welchem O. Kopp dem VVW auf die Dauer von 5 Jahren "den Saal an der nordöstlichen Ecke des III. Stockwerkes im Hofgebäude samt dazugehörigem Gang als Lokal für das Ortsmuseum" zur Verfügung stellt.

Geldsorgen Vorstand und Museumskommission nehmen vom Beschluss der Ortsgemeinde Kenntnis, die Gründung "eines bleibenden Museums mit dem Betrag von Fr. 10'000.- zu subventionieren." Das gibt Anlass zur Hoffnung, dass "ein öffentliches Werk von ansehnlicher Bedeutung geschaffen werde" (Comité 11.10.1909). Die Eröffnung des Museums wird auf Mitte Juni erwartet (Comité 31.05.1910). Die HV vom 13.6.1911 gedenkt des verstorbenen Oskar Kopp-Diener, der sich Verdienste um das Zustandekommen des Museums erworben hat. In ihrem Bericht bezeichnen die Rechnungsrevisoren das Resultat der Jahresrechnung 1910/11 als bedauerlich. Der Fehlbetrag sei grösstenteils dem Museum zuzuschreiben. So sind die Eintrittsgelder gegenüber dem Vorjahr von Fr. 1'814.- auf Fr. 366.- zurückgegangen, "so dass aus den Eintrittsgeldern nicht einmal mehr die Lokalmiete bestritten werden kann."Die Schaffung des Ortsmuseums darf, "wenn dieselbe auch mit beträchtlichem Kostenaufwand erfolgte, als eine glückliche Veranstaltung des Vereins bezeichnet werden. Der Besuch des Museums dürfte allerdings noch einen grösseren Umfang annehmen" (HV 29.7.1912). 1912 sind Umbau und Installation im Museum beendet und es kann mit der Möblierung begonnen werden (Comité 13.8.1912). Das Comité hält es für angebracht, dass die Ortsgemeinde wenigstens die Hälfte des Mietzinses und die Versicherung des Inventars im Museum übernimmt (Comité 30.5.1913). Die Rechnungsrevisoren halten es für angebracht, "dass das Museum durch die Bürgergemeinde besorgt würde. Das regelmässige jährliche Defizit können wir sehr gut anderweitig verwenden" (HV 4.9.1913). Nach Auskunft der Bürgergemeinde "könne zur Zeit keine Rede davon sein, dass die gesamten Betriebskosten von der Bürgergemeinde getragen werden." So beschliesst man, "die Rechnung des Museums vollständig von derjenigen des V.V. zu trennen." Es wird folgender Budgetentwurf vorgelegt: Einnahmen: Subvention politische Gemeinde Fr. 200.-, Bürgergemeinde Fr. 100.-, Eintrittsgelder Fr. 350.-, total Fr. 650.-. Ausgaben: Mietzins Fr.450.-, Entschädigung Abwart Fr. 85.-, Versicherungen Fr. 100.-, Diverses Fr. 15.-. total Fr. 650.-. Ein allfälliges Defizit wäre von der Kasse des VVW zu zahlen (Comité 12.11.1915).NeuorganisationDas Defizit des Museums beträgt "beinahe Fr. 700.-". Die Museumskommission einigt sich mit dem Ortsverwaltungsrat "in dem Sinne, dass die politische Gemeinde Fr. 300.-, die Bürgergemeinde Fr. 300.-, der VVW Fr. 100.- daran beitragen sollen." Die Ortsgemeinde soll die Trägerschaft des Museums übernehmen, wobei sie auch Eigentümerin des Mobiliars und Inventars wird. Eine gemischte Kommission, bestehend aus Vertretern des Ortsverwaltungsrates, des Gemeinderates und des VVW soll inskünftig die Leitung besorgen, welcher Neuerung von der HV vom 17.7.1919 zugestimmt wird. Der Ortsverwaltungsrat will der Bürgerversammlung beantragen, einen Museumsfonds von Fr. 20'000.- anzulegen zur Bestreitung der Unterhaltskosten des Museums (Comité 26.9.1919). Die Museumskommission ersucht den VVW um einen jährlichen Beitrag an den Unterhalt des Museums. Davon will der Vorstand nichts wissen, "mit Rücksicht auf allfällige Konsequenzen". Hingegen ist man bereit, "im Falle einer grösseren Anschaffung einen einmaligen Beitrag zu leisten" (Comité 27.10.1933).Das Museum wird durch einen Raum erweitert. Otto Stiefel übernimmt die Kosten der Instandstellung, "wogegen der vom Museum zu bezahlende Mietzins von Fr. 500.- auf Fr. 600.- erhöht wird" (Comité 31.10.1934). Mit diesem letzten Eintrag verschwindet das Traktandum "Museum" aus den Akten des VVW.Das Stadtmuseum Wil ist seit 2001 im Erdgeschoss des Hofs untergebracht. Neben der Dauerausstellung sind es vor allem die halbjährlichen Wechselausstellungen, die dank ihrer speziellen Themen und moderner Gestaltung das Publikum anziehen.

Aktuelle Ausstellung: stadtmuseum-wil.ch_newline_ Präsentation die Besucherinnen und Besucher ansprechen.

(aus: 125 Jahre Wil Tourismus 2009)

Quelle: wilnet.ch