Die bauliche Entwicklung im 19. und 20. Jahrhundert Mit der Strassenkorrektion von 1834/35 öffnete sich Wil für eine Entwicklung ausserhalb der Altstadt. An den Ausfallachsen wie an der Bronschhofer-, der Zürcher-, der Fürstenland-, Konstanzer-, Wilen- und an der Toggenburgerstrasse entstanden kleine Gebäudegruppen Der vorherrschende Haustyp ist ein zweigeschossiges Satteldachhaus mit ausgebautem Stickereikeller und zweiachsigem Quergiebel. Sogenannte Stickerhäuser formierten sich an der Säntisstrasse zu einer homogenen Strassensiedlung. Erste Ansätze zu späteren Siedlungen waren öfters auch Gasthöfe (Schöntal, obere Bahnhofstrasse, Rössli, Toggenburgerstrasse).
Südlich der oberen Bahnhofstrasse entstanden die ersten Industriebetriebe, vor allem der Textilbranche. Doch auch Handwerksbetriebe waren dort anzutreffen. Im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts wurden an der oberen Bahnhofstrasse eine ganze Anzahl von qualitätsvollen Historismusbauten erstellt. Teilweise wiesen die Häuser Vorgärten auf, teilweise waren im Sockelgeschoss Läden eingebaut. Die Paradestrasse der Gründerjahre stand in ihrem vollen Glanz. Die denkmalpflegerisch unerfreuliche Entwicklung der oberen Bahnhofstrasse ist auf eine Planungsmassnahme zurückzuführen, die die Umwandlung in eine moderne Geschäftsstrasse mit allen Folgen der Citybildung brachte. Die schachbrettartige Anlage des Bleichequartiers geht auf das letzte Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts zurück.
1900-1946 Zwischen 1880 und 1915 prosperierte die Strickereiindustrie. In diesem Zeitabschnitt entstanden das Süd- und das Westquartier. Sie sind durch planmässige, senkrecht zueinander stehende Quartierstrassen charakterisiert. Im Westquartier entstanden die Stickereifabrik und zahlreiche Wohnbauten an der Gallus- und Pestalozzistrasse, welche aufwendiger als die Stickerhäuser gebaut waren. An Eckpositionen entstanden markante Historismusbauten.
1919 wurde die Grundbuchvermessung begonnen.
Im Südquartier gab es mit Ausnahme einiger Oekonomiegebäude um 1880 noch keine Häuser. Die Säntisstrasse wurde kurz darauf sukzessive überbaut. Nahe der Bahn entstand ein Quartier, das durch eingeschossige Fabrikgebäude und zwei bis dreigeschossige Wohnhäuser charakterisiert ist. Weiter südlich wurden von der Wilenstrasse aus Wohnquartiere mit recht prätentiös gestalteten Häusern erbaut. Das Südquartier war durch die Hubstrasse mit dem Siedlungsteil jenseits der Bahn verbunden. Die Unterführung der Hubstrasse entstand 1935.
Die Lerchenfeldstrasse und deren Verlängerung, die St. Gallerstrasse, entstanden im ersten Dezenium unseres Jahrhunderts. An der St. Gallerstrasse wurden lose angeordnete Bauten mit Historismus- und Heimatstilelementen errichtet. 1926 wurde das Gelände westlich der Speerstrasse durch einen Geleiseanschluss erschlossen. Es entwickelte sich in der Folge zu einem Industriegebiet. Wirtschaftliche und politische Verhältnisse liessen in den Folgejahren keine weitere Expansion zu. In dieser Zeit erfolgte eine Umstrukturierung weg von der Textilindustrie hin zu andern Industriezweigen. Bestehende Industrien wurden erweitert. Im Lindengut wurden neue Fabrikbetriebe eröffnet. Die Wohnbauförderung liess die Royal- und die Dörflisiedlung im Südquartier entstehen. Doppeleinfamilien- und Einfamilienhäuser wurden im Westquartier, an der Thurau- und an der Blumenaustrasse errichtet. Auch im früher schwach besiedelten Hof- und Scheibenberg entstanden einzelne Einfamilienhäuser.








