In seiner über 500-jährigen Geschichte als Stadt unter dem äbtischen Krummstab sah Wil nie einen direkten Angreifer auf der Nordwestfront der Altstadt. Der untere Weiher mit dem am Fusse des Stadthügels entlang laufenden Mühlebach und die Ringmauer, die später zur geschlossenen, hohen Häuserfront ausgebaut wurde, bildeten geradezu klassische Angriffshindernisse.
Imposant zeigt sich hier noch heute die in leichtem Bogen geschweifte Front der Bürgerhäuser mit ihren steilen Satteldächern. Ratsprotokolle berichten und ältere Bauten verraten durch ihre innere Konstruktion, dass die heutigen Hausfassaden mit der früheren äusseren Ringmauer identisch sind. Zwischen dieser Mauer und der alten Häuserfront bestand eine etwa sechs Meter breite Lücke, eine Art Rondengang, der den Zugang zur Befestigung frei hielt. Später durften die Gebäude nach aussen erweitert werden, wobei die Mauerkronen als Lager für die aufgestockten Fachwerkgeschosse dienten. Für die Schaffung von Fenstern und Türen wurde dann die Stadtmauer durchbrochen. Die Baustruktur der älteren Häuser zeigt zudem, dass nicht nur nach aussen, sondern auch nach oben ausgebaut wurde. Das war vermutlich im Verlauf des 16. Jahrhunderts der Fall. Ende des 15. Jahrhunderts durfte die Höhe der Ringmauer jedenfalls noch nicht überschritten werden. Diese baulichen Veränderungen mussten vor der Entstehung des Bildes in der Chronik des Johannes Stumpf (1548) erfolgt sein. Da und dort verdeutlichen Renovationen diese Aufstockung, indem die Fachwerkobergeschosse wieder sichtbar gemacht wurden. Auch in den beiden Vorstädten ist der Ausbau der Häuser zur Ringmauer nachgewiesen. Den Bürgern wurde dort gestattet, die Dächer ihrer Häuser auf die Stadtmauer aufzulegen.
(Ruckstuhl, Benno; Die Altstadt von Wil, Wil 1998) 1984 wurden die Bemühungen um die Erhaltung der Wiler Altstadt mit dem Wakker-Preis belohnt.


















