Erstmals wird 1915 die "Gründung einer Schwanenkolonie im Stadtweier ins Auge gefasst" (Vorstand 27.5.1915). Architekt P. Truniger hat in der Folge eine Vorlage ausgearbeitet, "in welcher die Anlage eines Schwanenteiches durch Einbau eines Dammes im unteren Teil des Weiers vorgesehen ist." Die Dammanlage könnte billig erstellt werden mit der Verwendung des Schutt- und Aushubmaterials vom Abbruch des Steinhauses zum Neubau der Kantonalbank. Die Vorlage wird dem Gemeinderat eingereicht. Die Kosten der Anlage sollte die Stadt übernehmen, während der VVW für den Unterhalt "bezüglich Geflügel-Einsatz und die Pflege desselben aufkommen würde" (Vorstand 28.6.1916). Die Ausführung der Anlage wurde beschlossen an der Hauptversammlung vom 17.8.1916. Im Juli 1918 sind die Dammanlagen zum Schwanenteich fertig gestellt. Für die Einfriedung des Teiches liegen Muster von der Firma Knecht-Grögli & Cie, Wil, vor. Kassier Gottfried Barell verspricht die Stiftung eines Schwans. Am 14. August 1918 ist der Schwanenteich "durch ein Paar muntere Schwäne, geliefert vom ornithologischen Verein St.Gallen, besetzt worden zur Freude der Jugend und der Erwachsenen" (Vorstand 3.9.1918). Die politische Gemeinde beteiligt sich an den Gesamtkosten von Fr. 4'362.- (Voranschlag Fr. 3'500.-) mit 1'000 Franken und verzichtet auf Rechnungstellung für das Baubüro. Die Ortsgemeinde leistet Fr. 500.-. An freiwilligen Beiträgen sind Fr. 438.- eingegangen. Für die Begleichung der Restschuld von rund Fr. 2'400.- wird vom Gemeinderat ein Darlehen gewährt mit jährlichen Amortisationen "bezw. Verrechnung an Subventionen."Die Kommission beschliesst, "eine Anzahl buntgefiederter Enten" zu erwerben und im Teich eine Art Insel zu schaffen, "um das Laichgeschäft (sic!) der Schwäne zu fördern" (Vorstand 21.5.1919). Amüsant zu vernehmen, wie der Aktuar August Raschle, seines Zeichens Förster der Ortsbürgergemeinde Wil, sich die Fortpflanzung der Schwäne vorstellt. Nach der Anschaffung zweier schwarzer Schwäne stellt man fest, dass beide weiblich sind. "Es soll der Umtausch eines Stückes versucht werden" (Vorstand 6.9.1940).Im Herbst 1933 will man Vorkehren treffen, um die Eisbildung im Weier zu verhindern. Der VVW gelangt an den Gemeinderat mit dem Gesuch, mittels gelochten Röhren erwärmtes Wasser von der Niederdruck- oder Hochdruckleitung in den Weier zu leiten, um "im Interesse der Geflügelhaltung die Eisbildung zu verhindern" (Vorstand 27.10.1933). Für den Gemeinderat kommt eine solche Lösung nicht in Frage wegen des zu grossen Wasserverbrauchs. Da im Winter Wasserknappheit herrscht, wäre dies nicht zu verantworten (Vorstand 28.12.1933). So bleibt nichts anderes übrig, als das Geflügel in der Scheune der oberen Mühle zu überwintern und den Bestand durch Verkauf von Tieren über die kalte Zeit zu reduzieren.Aber auch andere Einflüsse gefährdeten den Bestand des Geflügels. Im November 1920 wird vom "unliebsamen Abgang der Schwäne und Zierenten" berichtet. Der VVW stellt eine Schadenforderung an Küfer Rombach, der "in sehr fahrlässiger Weise Abgänge von kranken und toten Tieren in den Weier geworfen haben soll" (Vorstand 12.11.1920). Im Frühjahr 1933 sind sämtliche jungen Schwäne getötet worden. Als Übeltäter vermutet man ein gefrässiges Raubtier. Im Sommer 1940 werden erneut Ratten am Schwanenteich festgestellt. Bereits vor der Kriegszeit wird die Futterbeschaffung schwierig. Das Quartieramt wird ersucht, Brotabfälle von der Verpflegung der Truppen an Glasermeister Albert Schmid "zum Schützenhaus" zur Fütterung des Geflügels abzugeben. Auch sämtliche Gasthofbesitzer werden dazu aufgefordert. Selbst die Schuljugend soll von der Lehrerschaft dazu ermuntert werden (Vorstand 7.10.1938). Während der Kriegszeit wird eine erhebliche Reduzierung der Vögel erforderlich. Gänse werden abgetreten, Enten veräussert. Zwei Schwäne und zwei Höckergänse werden an Pächter A. Dobler nach Dreibrunnen verkauft, mit Preisreduktion "mit Rücksicht auf den Umstand, dass die beiden Schwäne während des Winters umgestanden sind" (Vorstand 26.3.1941). Der Verantwortliche des VVW für das Geflügel im Weier, Vorstandsmitglied Direktor Robert Leutenegger, hat es mit der Wirtin zum Schützenhaus verstanden, "die sonst nicht immer gerade rosigen Sitzungen mit einem Götterfrass einzuleiten" berichtet am 9.1.1930 Aktuar Vinzenz Reutty, seines Zeichens Stadtförster. Dieser erste Entenschmaus ist der Beginn des traditionellen Martinimahls des VVW.
(aus: 125 Jahre Wil Tourismus 2009)
