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Wetter-Säule

Kunstwerke & Bauten · Raum

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Auch die Errichtung einer Wettersäule in der Allee war ein langer und harziger Prozess. Die Rechnungskommission mahnt, "die meteorologische Station (...) baldmöglichst zu finanzieren." Sollte sich das Comité mit der Finanzierung schwer tun, meint der Berichterstatter: "Der tit. Schulrat, polit. Gemeinde und Ortsverwaltungsrat werden mit ihrem Beutel nicht fernstehen, denn eine meteorologische Säule ist für Schuljugend und Erwachsene etwas Lehrreiches" (HV 16.8.1904). Nach vielen Beratungen kann an der HV vom 21.3.1907 mitgeteilt werden, dass ein Standort in der Allee gefunden werden konnte. "Trotz mehrfacher Bemühungen konnte kein anderer geeigneter Platz als jener des Pissoirs ausfindig gemacht werden." Dieses sollte entfernt werden. Stadtammann Dr. E. Wild glaubt, "dass eine Dislozierung dieser Bedürfnisanstalt früher oder später möglich sei, am richtigen Orte sei dieselbe ohnehin nicht." (Diese steht aber noch im Jahre 2009 am selben Ort).

Die Rechnungskommission wünscht erneut "beschleunigtes Tempo für Erstellen einer meteorologischen Säule (...). Mittel und Wege werden sich finden lassen und sind an andern Orten längst gefunden worden."

Ein Jahr darauf wird der Gemeinderat nochmals ersucht, "die Frage der Dislozierung des Pissoirs (...) in Erwägung zu ziehen." Als Standort wird endgültig bestimmt: die Verlängerung der Pestalozzistrasse in der Allee.

Der Vorstand der meteorologischen Station Zürich empfiehlt, "nur die zuverlässigsten einfachsten Instrumente (...) anzuschaffen, die teuren und komplizierten Instrumente, welche doch von einem Grossteil des Publikums nicht verstanden werden, wegzulassen." Die Instrumente lieferte Uhrmacher Adolf Klaus. Architekt P. Truniger erhält den Auftrag, "in Bälde einen geeigneten Entwurf für eine Säule anzufertigen und sich von Bildhauer Schoch Offerte für Ausarbeitung einer solchen geben zu lassen" (Comité 6.7.1908). Steinlieferung und komplette Erstellung der Säule offeriert Bildhauer Schoch verbindlich für Fr. 1'000.- (Comité 25.9.1908).

Architekt P. Truniger legt auftragsgemäss eine Zeichnung der Wettersäule in natürlicher Grösse vor. "Die Vorlage wird einstimmig acceptiert und Herr Truniger beauftragt, mit Bildhauer Schoch über die Ausführung der Säule zu unterhandeln und die Sache endgültig zu erledigen" (Comité 8.10.1908). 1909 ist die Wettersäule endlich errichtet.

"Da die Kosten der zu errichtenden Wettersäule (...) die aufgestellte Voranschlagsumme bei weitem nicht erreichen und dann namentlich die Rücksicht auf die Oberstadt, bestimmt das Comité, auf dem Kirchplatz, wenn möglich in der Nähe des Alpenzeigers, einen Wettertelegraph plazieren zu lassen" (Comité 25.9.1908). Architekt P. Truniger unterbreitet mittels Zeichnung den Vorschlag, die gleichen Instrumente wie an der Säule in der Allee "auf einer Marmorplatte in der obern Stadt anzubringen" (Comité 30.3.1909). Der katholische Kirchenverwaltungsrat aber lehnt das Gesuch ab, die Tafel mit den meteorologischen Instrumenten an der Stadtkirche anzubringen. Der Standort wird, nach einem Augenschein, "neben dem Portal des Gerätschaftslokals gegenüber der Kirche" bestimmt.

1998. "Die Wettersäule in der Allee befindet sich seit Jahren in einem schlechten Zustand und muss erneuert werden. Die Renovationskosten belaufen sich auf rund 10'000 Franken. Da der VVW nicht über die notwendigen finanziellen Mittel verfügt, (...) bot der Verein die Baute als Geschenk der Stadt Wil an" (Wiler Zeitung 25.6.1998). Die Schenkung wird ohne Auflagen angenommen. "Über den Erhalt und die Restaurierung wird erst im Zusammenhang mit der Neugestaltung der Allee entschieden. Bis dahin wird die Säule entfernt und im Werkhof eingelagert" (Vorstand 24.8.1998).

Stadtrat Werner Oertle hält in einem Interview mit der Wiler Zeitung (14.2.2002) fest, dass die Wetterstation wohl nicht mehr in die Allee zurückkommen werde. Einige Vorstandsmitglieder des VVW sind darob sehr enttäuscht. Dr. Walter Engelhard, VVW-Vorstandsmitglied und Geschäftsführer der Firma Stihl & Co. in Wil, bietet an, die Kosten der Restaurierung zu übernehmen. Die Wetterstation soll sodann - bis ein anderer Standort in der Stadt gefunden ist - auf dem Areal der Firma Stihl & Co. in Wil aufgestellt werden. Nach diversen Abklärungen wird im Herbst 2003 der Firma Felix Hotz, dipl. Bildhauermeister in Weinfelden, der Auftrag zur Restauration der Wetterstation erteilt. Der Thermometer kann gereinigt und wieder verwendet werden; Hygrometer und Barometer werden ersetzt und neu eingebaut. Lieferant dieser Instrumente ist die Firma Venturini in Wil.

Die Illustration von Georg Rimensberger aus dem Jahre 1976 wird entfernt und ins Depot des Stadtarchivs Wil gegeben. An dessen Stelle wird eine Zusammenfassung des Schulwesens der Stadt Wil von der ersten Erwähnung einer städtischen Schule (Lateinschule) in Wil 1269 bis zur Eröffnung der Kantonsschule im August 2004 angebracht. Da die neue Kantonsschule in unmittelbarer Nachbarschaft zum neuen Standort steht, macht es Sinn, die Entwicklung des Schulwesens an diesem Ort darzustellen.

Am 13. April 2004 wird die renovierte Wetterstation eingeweiht und der Oeffentlichkeit wieder zugänglich gemacht.

(aus: 125 Jahre Wil Tourismus 2009) Nach einer Zwischenzeit bei der Fa. Stihl steht die Säule heute im Areal des Alterszentrums Sonnenhof.

Bildarchiv (2)

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Quelle: wilnet.ch