Geschichte

Kesselring, Kilian (1583 - 1650)

17. Jahrhundert · Geschichte

Am Mittwoch, 7. September 1633, am Abend und in der Nacht rückten ungefähr 7'000 Schweden zu Fuss und zu Pferd durch das Städtchen Stein am Rhein und gelangten auf thurgauischen Boden. Wie hatte diese Überrumpelung geschehen können? Stein war in zürcherischen Händen und eine eidgenössische Postenlinie stand von Eschenz bis nach Kreuzlingen. Die ganze Eidgenossenschaft geriet durch diesen Übergriff in Gefahr, in die Kriegsgeschehnisse verwickelt zu werden.

Kilian Kesselring Rasch kam der Gedanke auf, dass nur durch Verrat dieser Einbruch hatte stattfinden können. Der Verdacht des Verrates richtete sich gleich gegen Kilian Kesselring, den eidgenössischen Obrist-Wachtmeister im Thurgau. Dieser war 1583 in Bussnang bei Weinfelden geboren worden. Sein Vater Thomas Kesselring war der Obervogt von Liebenfels, Altenklingen und Weinfelden. Er war eifrig für die Verbreitung des evangelischen Glaubens tätig. Als Gerichtsherrenschreiber und Verwalter der Herrschaft Weinfelden-Bussnang war er massgebend daran beteiligt, dass Zürich diese Herrschaft vom Herren von Gemmingen 1614 kaufen konnte. Dies war den katholischen Orten ein Dorn im Auge, zumal Zürich im gleichen Jahr auch die Herrschaft Pfyn an sich brachte. Thomas Kesselring erhielt zum Dank für seine Vermittlerdienste das Zürcher Bürgerrecht.

Kilian Kesselring trat schon bald in die Fussstapfen seines Vaters. Erst als Schreiber beim thurgauischen Landgericht diente er vor allem den Interessen Zürichs im Thurgau. Zu seinen Verdiensten zu rechnen sind einmal eine neue Münzordnung im Jahre 1622, die verhinderte, dass die vielen schlechten Münzsorten, die im Umlauf waren, weiter Schaden anrichten konnten. Zum anderen war Kilian Kesselring massgeblich an einer Kriegsordnung zur Wahrung der Neutralität des Thurgaus beteiligt. Als 1618 auf deutschem Boden die Kriegshandlungen aufflammten, war der Thurgau als Grenzgebiet stark gefährdet. Es wurde eine Wachtordnung aufgestellt, die Überwachung des Vollzugs wurde 1628 von den im Thurgau regierenden Orten auf Kilian Kesselring übertragen, der den Rang eines "Generalwachtmeisters" erhielt. Selbst seine späteren Gegner mussten zugeben, dass Kesselring eine Ordnung geschaffen hatte, "dass man sie schöner nit hätte machen können".

Wo war nun Kesselring in der Zeit, als mit einem Einbruch der Schweden stündlich zu rechnen war? Er war nicht an der gefährdeten Grenze, sondern hielt sich in Bussnang auf. Am Abend und in der Nacht des 7. Septembers 1633 feierte er in seinem Haus zusammen mit den Bediensteten das Erntefest! Dieser Umstand führte logischerweise zum Verdacht, dass Kilian Kesselring mit den Schweden im Einverständnis sei oder zumindest von ihren Absichten gewusst habe. Die Schweden hatten sich auch noch einer Kriegslist bedient: Jedesmal, wenn sie im Dunkel einer eidgenössischen Wache begegneten, schrieen sie aus Leibeskräften: "Wachtmeister Kesselring, vor!" Damit erweckten sie den Eindruck, als sei Kilian Kesselring selber unter ihnen und alles habe seine Richtigkeit. Dies alles belastete ihn schwer, der Verdacht des Landesverrates wurde immer lauter geäussert. Zudem hatten die Zürcher, seine Freunde und Glaubensgenossen zur selben Zeit ihre Besatzung aus Stein abgezogen. Es war nicht unbekannt geblieben, dass in Zürich eine starke Gruppe unter Oberpfarrer Breitinger Verbindungen zu den Schweden unterhielt und so den Glaubenskrieg unterstützte. Dies führte denn auch wenig später dazu, dass die Kriegsräte von Zürich und Bern Feldzugspläne gegen die katholischen Orte schmiedeten.

Werner Warth, Stadtarchivar (Der ausführliche Artikel ist in der Beilage zu finden)

Bildarchiv (1)

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Quelle: wilnet.ch