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Kapuzinerkloster Wil

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Im Sommer 1581 sandte Karl Borromäus, der Kardinal von Mailand, fünf Kapuziner aus der Lombardei nach Altdorf. Sie gründeten dort das erste Kapuzinerkloster der Schweiz, dem bald weitere in der Innerschweiz, in Appenzell, Solothurn, Baden, Frauenfeld, Rapperswil und Konstanz folgten. Die Ordensleute von Appenzell, später von Frauenfeld, halfen in der Pastoration in Wil aus, weshalb der Rat 50 Gulden an den Ausbau des Klösterleins in Frauenfeld gewährte.

Die Väter Kapuziner waren daher in der Äbtestadt keine fremden Leute. Wie in der thurgauischen Hauptstadt der Landschreiber Ulrich Locher mit andern Glaubensgenossen durch Vergabung des Bauplatzes und Spenden 1595 den Ordensleuten des hl. Franziskus eine Heimstätte zu gründen ermöglichte, sicherte auch in Wil Reichsvogt Georg Renner-Opser (1598–1652) finanziell die Gründung des Kapuzinerklosters Wil. Die Unterhandlungen mit Fürstabt Reher, der ein solches lieber im unruhigen Toggenburg gesehen hätte, zogen sich in die Länge. Aber Renner stellte seinen hohen Betrag nur für einen Kirchenbau in seiner Vaterstadt Wil in Aussicht und beauftragte, weil selber krank geworden, Junker Fidel Thurn, den Hofammann, Reichsvogt Johann Georg Ledergerw und den Wiler Pfarrherren Ludwig Gerschwiler, alles Männer von grossem Ansehen und entsprechendem Einflusse, die Sache vor dem Rate zu vertreten. Schultheiss und Rat stimmten zu, auch die Bürgerschaft, jedoch unter der Bedingung, dass der Bau ohne Nachteile für sie erfolge.

Reichsvogt Renner lag auf dem Sterbebett und wies testamentarisch dem Klosterbau 8'000 G und Holz aus seinen Waldungen im Hasenloo und in der Gruben zu. Er gab seine Seele am 27. Februar 1652 seinem Schöpfer zurück, ohne die Ausführung seines Wunsches erleben zu können. Nachdem alle kirchlichen Instanzen zustimmten, leitete die feierliche Grundsteinlegung vom 4. Januar 1654 den Baubeginn ein. Der Landesherr unter einem Himmel und 7 Patres Kapuziner zogen in Prozession mit einer grossen Anzahl Volk aus der Pfarrkirche in Balthasar Gallatis Gut, so dermalen dem Hofammann Ledergerw zugehörte, auf den Platz für das neue Kloster. Abt Pius weihte einleitend das Kreuz, legte unter Lösung der Stücke und Doppelhaken den ersten Eckstein und hielt die Festpredigt, welcher ein Hochamt mit Geschützsalven folgte. Stadt und Umgebung halfen im Frondienste am Bau mit. Am 24. Juni 1657 endlich öffnete sich die Klosterpforte den Mönchen, und der Bischof von Konstanz nahm am 28./29. August die Weihe der neuen Kirche vor.

Die Vergabung des Stifters, Zinsen und weitere Spenden waren unterdessen auf 10'020 G 1 Bz. 51/2 Hr. angewachsen. Der Bau erforderte 9'440 G 3 Bz. 51 Hr. Den Rest erhielten verschiedene um den Bau besonders verdienstvolle Personen. Entsprechend dem Willen Renners war das Geld von Schultheiss und Rat verwaltet worden, welche sich dann auch in der Zukunft dem Kloster als weltlicher Beistand stetsfort hülfsbereit erwiesen. Die Behörde betreute die städtischen Gotteshäuser und fühlte sich auch dadurch dem Kapuzinerkloster gegenüber verpflichtet, ohne aber dabei der klösterlichen Gemeinschaft, ihrem Hausrecht und ihrer Wirksamkeit irgendwelche Einschränkungen auferlegen zu wollen. Im Kloster fanden sich im Jahre 1668 112 Ordensmitglieder zur Abhaltung eines Generalkapitels ein. Nach feierlichem Gottesdienste zu St. Nikolaus zogen sie am St. Georgstage auf den Hofplatz und teilten ihre bisher eine Provinz in die schweizerische (mit dem Elsass) mit 30 und die schwäbische mit 27 Klöstern. Der Festprediger wählte zum Thema: "Gut Ding muss Wil han", welches gute Wort bei verschiedenen Gelegenheiten wieder als Leitmotiv diente.

(Ehrat, Karl, Chronik der Stadt Wil, S. 144f.)

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Kapuzinerkloster_-_Kirche.jpgKapuzinerkloster_um_1837.jpg

Quelle: wilnet.ch