Kultur

Hilber, Werner - Zürich (1945 - 1965)

Bildende Kunst · Kultur

Atelier am Neumarkt 1945 bezog Werner Hilber ein Atelier am Neumarkt in Zürich. Dieses Interieur, ein eigener künstlerischer Kosmos, wurde immer wieder Thema seiner Malerei. Lieblingsstücke aus seiner Sammlung, wie die asiatische Vogelstatue, arrangierte Werner Hilber immer wieder neu zu Stilleben in einem realistisch-expressiven Stil. Dieser reale Erlebnisraum des Ateliers erweiterte sich immer mehr zu surrealistischen Räumen, wo Personen, Gegenstände, Tiere aus der Real- und Traumwelt des Künstlers miteinander verschmolzen. Ein Beispiel dafür ist die surreale Raumkomposition Atelierzauber, die Tag und Nacht, Interieur und Seelenraum vereinigt. Auf der rechten Bildhälfte befinden wir uns im Atelier, das Fenster ist hell erleuchtet, die Fensterrahmen im Gegenlicht dunkel, mit gestreiften Sonnenvorhängen. Auf der linken Bildhälfte bildet das Dunkel der Nacht den Bildhintergrund. Wir sind in der Welt der Träume, von verschachtelten Architekturen und Treppen, der Innenwelt des Künstlers. Sie ist bevölkert von Dingen, die ihn beschäftigen und durchs Leben begleiten, assoziativ inszeniert: die Klaviertastatur für die Musik, menschliche Figuren liegend und fliehend; ein Pferd und Musiknoten schweben im Bildraum. Es ist ein metaphysischer Raum, der durch seinen dunklen Hintergrund geheimnisvoll und unergründlich wirkt, sogar etwas bedrohlich.

In der gleichen Zeit entstand diese Papiercollage. Sie zeigt den verspielten Werner Hilber: er schaukelt aus der linken Bildhälfte, in seinem typischen Streifenpulli. In der Mitte blüht eine Art Lebensbaum, zwischen Grasbüscheln bewegt sich ein Leopard, im oberen Bildrand angeschnitten die gestreiften Vorhänge und die Klaviertastatur.

Wie bereits erwähnt, stellte Werner Hilber die künstlerische und persönliche Freiheit über alles, er ging keine Kompromisse ein. Oft war er deshalb in Geldnöten, malte mit Wasserfarben auf Papier und Karton. Die Rahmen zu seinen Bildern fertigte er selbst an aus bemalten Hart-faserplatten oder Holzstücken. Dazu kam, dass er seine Bilder am liebsten gar nicht verkauft hätte. "Ich hatte finanziell eine grosse Trockenperiode; geerntet habe ich dem Geiste nach - und konnte mich nicht billigerweise um schnöden Mammons willen trennen von meinen Kindern." 1945 entwarf Werner Hilber für das Stadtbier der Wiler Hofbrauerei eine Etikette mit einem Krieger in den Farben rot-schwarz-weiss. Diesem Krieger, einer historischen Figur der Stadt Wil, setzte er ein weiteres Denkmal: den Krieger- oder Böckebrunnen in der Wiler Altstadt. Die " Wiler Böcke" waren in der Mitte des 15. Jahrhunderts eine Gesellschaft von militärischen Söldnern der Stadt: "eine Verbindung der kühnsten Wagehälse zur Ausführung der verwegensten Taten" schrieb Carl Jakob Georg Sailer in der Wiler Chronik von 1864. Dieser Text ist auch auf der Rückseite des Sockels der Brunnenfigur eingemeisselt, heute kaum noch lesbar.

Werner Hilbers "Bock" ist ein rauher Geselle, eine kraftstrotzende, dynamische Figur, die mit beiden Händen eine dünne Fahnenstange aus Metall hält. Der Sockel ist übersät mit seinen Opfern, und doch nimmt man dem Krieger seine Grimmigkeit nicht ganz ab: hat er das eine Auge im Kampf verloren oder kneift er es spitzbübisch zu? Eine entfernte Ähnlichkeit mit seinem Schöpfer ist nicht von der Hand zu weisen.

Werner Hilber schrieb: "Die Brunnen sind nicht nur die Plaudertaschen der Stadt, sondern Quellfassungen der Geschichte. Die uralte Sitte, den Brunnenstock mit einer Figur zu schmücken, regt das Plaudern an und legt die Quellen bloss. Eine Quelle der kraftvollen Vergangenheit Wils war in der Zunft der Böcke begründet, jener Haudegen, die um 1500 brandsch(m)atzend und weinschmatzend durch die Gaue zogen."

In den fünfziger Jahren beschäftigte sich Werner Hilber wieder mehr mit Keramik, es entstanden Kleinkeramiken, oft mit Hahn- oder Stiermotiv. 1956 schuf er ein ganzes Wandbild aus Keramik für das Schwesternhaus der Psychiatrischen Klinik in Wil mit dem Titel Nur das Kind ist imstande, das Tier im Menschen zu befrieden. Einflüsse aus dem keramischen Schaffen sind auch in seinen Bildern zu sehen, vor allem in der Farbgebung und in der Aufteilung der Figuren: der Hintergrund in bräunlichen Farbtönen, die Figuren aufgelöst in bunte Farbflächen, die sich mit weissen oder schwarzen Konturen wieder zusammenschliessen.

Daneben entstanden surrealistische Werke wie der Ziegelkopf 1953, ein eigenartiges Wesen mit ziegelförmigem Kopf, der auf einem vogelartigen Körper zu schweben scheint.

(Werner Hilber-Stiftung Hrsg; Werner Hilber, 2000)

Bildarchiv (3)

Werner_Hilber_-_Zuerich_1950-60.jpgWerner_Hilber_-_Polizeiuntersuchung_1951.jpgWerner_Hilber_-_Modell_Boeckebrunnen_1953.jpg

Quelle: wilnet.ch