Tessin 1938 - 1940 Zwei Jahre verbrachte Werner Hilber mit "Trixli", seiner damaligen Muse im Tessin. Er malte, inspiriert von seiner Umgebung, vermehrt Landschaften. Ins Tagebuch schrieb er: "Tessin: Ja, es ist schön da unten, da trinkt das Herz, das oft wund geschlagene, mit neuer Hoffnung. 0 Land, o Paradies, wie zur Freude und Liebe gemacht, von Gott lächelnd dahin gegeben, man spürt den wärmeren Atem seiner gütigen Brust, von Schönheit trunken!" Es scheint eine harmonische und unbeschwerte Zeit in seinem Leben gewesen zu sein. "Trixli" gab einem Aquarell, das sie im Liegestuhl mit Sonnenschirm zeigt, den Titel "Insel der Seligen".
Wallis 1940 - 1945 Nach dem Aufenthalt im Tessin arbeitete Werner Hilber im Wallis, wieder begleitete ihn "Trixli". Auch hier malte er zahlreiche Landschaften, z.T. in Oel auf Leinwand, z.T. als Gouachen oder Mischtechnik auf Hartfaserplatte . Dazu enstanden die beiden Reliefarbeiten: Wiegenträgerin und La joie de vivre, inspiriert von seinem "Landi-Relief".
La joie de vivre, ein Thema in der Kunst bis zur klassischen Moderne, hervorgegangen aus den idyllischen Hirten- und Schäferszenen der Renaissance, findet sich auch in den Werken von Matisse, Picasso und Lipchitz wieder. Werner Hilber gestaltete sein Relief als eine Art Bacchantentanz, als einen dynamischen Reigen. Ein Kunstreiter, die Arme frei in Pose haltend, sitzt auf einem sich aufbäumendem Pferd. Links von ihm hält eine Tänzerin in langem, wallendem Gewand unter dem sich ihre Körperformen abzeichnen, mit erhobenen Händen ein Tuch. Neben ihr beugt sich eine Frau mit Kopftuch zu einen Korb mit Früchten hinunter. Diese Frau sowie die beiden kämpfenden Eringer Kühe werden aus der Vogelperspektive gezeigt, sie schliessen den Reigen nach rechts ab; ganz rechts unten, ausserhalb des Kreises, eine tanzende Rückenfigur mit Hut. In Villa hatte Werner Hilber ein Atelier eingerichtet, das er in einem sehr stimmungsvollen Text folgendermassen beschrieb: "Es ist bald 12 Uhr nachts. Im magischen Licht einer strohgeflochtenen Stehlampe sind meine Gipsmodelle rundum grell, mit tiefen Schatten, romantisch beleuchtet, teils ruhen sie und die Bilder an der Wand im Dämmer. Das Feuer im Ofen nagt brummend an einem dicken Scheit, das ich ihm in den Rachen geworfen, bisweilen knackt auch ein Möbel, das sich die Gelenke lockert. Wie still ist es. Das Wallis und ich sitzen beisammen: Möbel, Zeichnungen, Bilder - Kinder, lauter Kinder - so geratene und ungeratene wie ich selbst. - Und jetzt im Ofen summt noch das Wasser, und mitsummen tut jetzt die ganze Bude, die Hoffnungen, die Pläne, das eigene Herz...".