Zurück in der Schweiz: Wil 1930 - 1938 Ein Jahr später kehrte Werner Hilber in die Schweiz zurück. Wieder machte sich seine Krankheit bemerkbar und so verbrachte er die Jahre 1930-1932 mit verschiedenen Kuraufenthalten.
1932 liess er sich als freischaffender Künstler in Wil nieder. Er mietete ein eigenes Atelier an der Tonhallestrasse, wo er bedeutende Werke für den öffentlichen Raum in Wil ausführte: 1932 das Relief der Priestergräber an der Kirche St. Peter, 1933 verschiedene Arbeiten in der Kirche St. Nikolaus.
Neben seinem Elternhaus entstand in den Jahren 1933-35 der Bärenbrunnen. Das Wappentier der Stadt Wil, geschmückt mit einem Medaillon und Epauletten, rührt zähnefletschend die Trommel. Aus dieser Zeit stammt der erste Entwurf zu Kleine Fuge oder Frau Musica. Eine Frau mit rotem Haar gemalt in Gelbtönen spielt eine Art Laute, die sie nicht zupft, sondern mit dem Bogen streicht. Sie ist ganz erfüllt von der Musik, was sich auf ihrem Gesicht wiederspiegelt. Das Instrument, der Notenständer und der Stuhl sind in schwarz-grauen Farbtönen gemalt, der Hintergrund ist hell.
Obwohl von den Farben her kontrastreich und holzschnittartig gestaltet, wirkt das Ganze dennoch harmonisch wie die Musik, die hörbar zu sein scheint. Die Form der Fuge und das Instrument erinnern an die Barockzeit.
Auch die Darstellung, obwohl sparsam in der Ausführung, gibt die Fülle wieder, die oft mit "Barock" assoziiert wird. Die Figur der Frau wird vom Bildrahmen an drei Seiten angeschnitten, auf der vierten Seite der Notenständer, der durch die Verbindung mit dem Fuss zu einer Verlängerung des Körpers wird. Die Frau ist ganz erfüllt von der Musik. Sie dominiert mit ihrem Instrument den Bildraum, im Moment des Musikmachens hat nichts anderes mehr Platz.
Ein Relief der Kleinen Fuge schmückt die Supraporte des Hauses Nr. 20 an der Froschaugasse in Zürich, es wurde 1964 im Auftrag der Stadt dort angebracht. In den achziger Jahren hat Werner Hilber das Motiv weiter variiert, um 1981 in Keramik in Form einer glasierten Kachel.
Frau Musica ist eine Form des bildnerischen Ausdrucks für Werner Hilbers Beziehung zur Musik. In einem musikalischen Elternhaus aufgewachsen, spielte er oft Klavier. Er improvisierte meist und liess auch hier seine eigenen Melodienschöpfungen erklingen.
1935 entstand die Skulptur Fliegende Röcke oder Bonjour Printemps, eine Frauenfigur, die dynamischen Schrittes vorwärtsgeht, sodass die Röcke fliegen. Sie ist im Begriff, sich eines weiteren Kleidungsstückes zu entledigen. Mit erhobenen Händen hält sie es bereits über den Kopf gestülpt, ein energie- und temperamentvolles "Frühlingserwachen".
(Werner Hilber-Stiftung Hrsg; Werner Hilber, 2000)


