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Steinhaus / Haus St. Galler Kantonalbank

Häuser · Raum

Steinhaus_-_Kantonalbank_2004_preview.jpg
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Nach dem verheerenden Stadtbrand von 1292 wurde Wil erst wieder ab 1301 aufgebaut. Gemäss den Chroniken waren es die "Edlen von Wilberg", die ab 1306 ein massives Haus am Eingang zur Stadt errichteten. Da dieses, entgegen der damals üblichen Praxis, nicht nur aus Holz gebaut wurde, sondern mehrheitlich aus Steinmauern bestand, wurde es bald im Volksmund das "Steinhaus" genannt. Die Edlen von Wilberg hatten zwei Brüder als Verwalter ihrer Güter eingesetzt, Rudolf und Georg Müller, die ursprünglich aus dem Kanton Schwyz stammten. 1351 nun erhielten die mitlerweile eingebürgerten Brüder das "Steinhaus" als Lehen. Um 1388 starben die Edlen von Wilberg aus. Das Gebäude wurde den beiden Brüdern vererbt und blieb ununterbrochen bis 1916 das Stammhaus der "Müller im Steinhaus" von Wil. Aus diesem Geschlecht stammen unzählige Ratsherren, Schultheissen und Aemterpfleger der Stadt Wil. Der bekannteste Vertreter dieses Geschlechtes war Jakob Joseph Müller (1729 - 1801).In Spanien zum Kunstmaler ausgebildet, schuf er unter anderem das Deckengemälde der Kirche Dreibrunnen.

Das Steinhaus erlebte zahlreiche bauliche Veränderungen. Anlässlich der Strassenkorrektion von 1834/35 war das an das Haus angrenzende Schneckentor bereits abgebrochen worden, die restliche Mauerpartie war aber durch mächtige Steinblöcke mit dem Gebäude verbunden. Trotz tagelanger Arbeit mit Hammer und Meisel konnten diese Blöcke nicht gelockert und entfernt werden. Der Einsatz von starken Winden zeigte auch nach Tagen noch keinen Erfolg, ausser, dass in der Aussenmauer des Hauses sich ein Riss gebildet hatte. Die städtische Strassenkommission vertraute aber der Stabilität des Gebäudes, das diese Belastungen wohl aushalten würde. Am 11. Juli 1835, mittags zwischen ein und zwei Uhr, war plötzlich ein erschütternder Lärm in der ganzen Stadt zu hören. Mehr als die Hälfte der Häuserfront gegen die Strasse war eingestürzt, die Steinmauern samt Balken, den Böden, den Scheidwänden und Decken, sowie sämtliches Mobiliar der beiden Wohnungen lagen in einem Schutthaufen. Wie durch ein Wunder wurde kein Bewohner verletzt.

Nach dem Wiederaufbau blieb das Steinhaus weiter im Besitz der Familie Müller, die es 1916 an die St. Gallische Kantonalbank verkaufte. Diese liess es im gleichen Jahr ganz abbrechen und nach Plänen des Kantonsbaumeisters zur heutigen Gestalt wieder aufbauen.

Bildarchiv (6)

Steinhaus_vor_1916.jpgSteinhaus_vor_1916-03.jpgSteinhaus-Abbruch_1916.jpgSteinhaus_-_Feuerwehruebung.jpgSteinhaus_von_Sueden.jpgSteinhaus_mit_Ochsengespann.jpg

Quelle: wilnet.ch