Jahrhundertelang gehörten auch die Schwestern der "Samnung" zum alltäglichen Bild der Stadt Wil. Es handelte sich dabei um Beginen, d. h. um fromme Frauen, die in einer klosterähnlichen Vereinigung ein gemeinsames religiöses Leben führten, jedoch ohne feste Zugehörigkeit zu einem Orden.
Das Beginentum hatte seine Wurzeln in Flandern und im Rheinland, von wo es sich vom 13. Jahrhundert an in zahllose Städte nördlich der Alpen ausbreitete. Es war Ausdruck einer religiösen Aufbruchsbewegung von Laien und machte zugleich den grossen Mangel an Plätzen in etablierten Frauenklöstern deutlich. Längst nicht alle alleinstehenden Frauen, die gerne Nonnen geworden wären, kamen auch wirklich in einem Kloster unter. Einen Ausweg bot hier das Leben in einer Beginengemeinschaft. Allerdings stiess diese Bewegung in gewissen Gegenden zunächst auf argwöhnische Skepsis des Klerus. Der Verdacht auf Ketzerei war in jenem Zeitalter ständig präsent. So soll es sich beim Namen "Begine" eigentlich um eine Verballhornung der "Albigenser" handeln, jener blutig verfolgten "häretischen" Bewegung des frühen 13. Jahrhunderts. Einige Beginen endeten tatsächlich auf dem Scheiterhaufen, darunter eine gewisse Margarete Porete aus dem Hennegau.
Vollständiger Text siehe Textfile (Bless-Grabher, Magdalen; Liederliche Weibsbilder, Ehrenjungfern und Frauenzimmer, Wil 1986)
