Raum

Rathaus

Häuser · Raum

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Man sieht dem stattlichen Rathaus kaum an, dass es gar nicht als Amtshaus erbaut wurde. Es entstand 1784 anstelle älterer Häuser im Stil des Spätbarock als Wohn- und Geschäftshaus für Joseph Marin Morel, einem Tuchhändler aus Savoyen, der nach Wil übersiedelte, wo er 1782 das Bürgerrecht erwarb. Wieder einmal mussten hier im Barock Altbauten einem repräsentativen Neubau weichen.

Das Haus wurde 1882 von der Politischen Gemeinde erworben, der es seither als Rathaus dient. Joseph Marin Morel, der 1804 Mitglied des ersten Gemeinderates der Politischen Gemeinde Wil im neu entstandenen Kanton St. Gallen wurde, erlebte diese Umwandlung seines ehemaligen Wohnsitzes zum Amtshaus nicht mehr. Da es die Behörden dem vielseitigen Unternehmer nicht immer leicht machten, brachte er über den beiden Eingangsportalen die darauf anspielenden Inschriften "Zur Demut" und "Zur Geduld" an, die leider in Vergessenheit geraten sind. Sie könnten für Behörden und Verwaltung wie für die hier Ratsuchenden fürwahr nicht treffender sein.

Das Barockgebäude ruht auf Pfeilerarkaden. Seine Fassade weist eine Pilastergliederung auf und wird oben bekrönt durch einen Mansardendachgiebel. Die dreiteilige Fassadengliederung nimmt dem Bau die Schwere und ordnet ihn so etwas diskreter in die Reihe der schmalen Bürgerhäuser ein. Die gewölbten Räume im Erdgeschoss hinter den hohen Arkaden dienten der Lagerung der Tuchwaren.

Als wohlhabender Mann gestaltete sich Morel einen herrschaftlichen Garten mit abschliessendem Hinterhaus gegen den Weiher hin, das offenbar auch Geschäftszwecken diente, was seine massive Bauweise mit schweren inneren Pfeilern andeutet.

(Ruckstuhl, Benno; Die Altstadt von Wil, Wil 1998)

Bildarchiv (5)

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Quelle: wilnet.ch