Im Amtsbericht der politischen Gemeinde Wil vom Rechnungsjahr 1907/08 findet sich unter den Geschäften des Gemeinderates erstmals folgende, wörtlich wiedergegebene Orientierung: "Die Frage der Erweiterung und Umänderung des Werkes (Elektrizitätswerk) steht im Stadium der Vorberatung; ein zu erstrebender neuer Vertragsabschluß unter veränderten Konditionen und eventuelle Möglichkeit der Schaffung eines, das bestehende Elektrizitätswerk ergänzenden und unterstützenden Gaswerkes bilden heute die Grundidee für die beabsichtigte, durch die Entwicklung der Gemeinde gebotene Entlastung, wobei eine zeitgmäße Ausgestaltung des Werkes in kleinerem Rahmen die Leistungsfähigkeit desselben auf der Höhe halten muß. Wir werden voraussichtlich in der Lage sein, Ihnen ebenfalls anläßlich einer außerordentlichen Bürgerversammlung während des laufenden Jahres bezügliche Anträge vorzulegen."
In einem separaten Bericht, enthaltend Gutachten und Anträge des Gemeinderates für die Bürgerversammlung vom 26. November 1911 ist die nachstehende Orientierung enthalten: "Anläßlich der außerordentlichen Bürgerversammlung vom 1. Mai 1910 haben wir Ihnen Gutachten und Anträge betreffend Errichtung eines Steinkohlengaswerkes zur Beschlußfassung unterbreitet. Unser Antrag ging auf Errichtung eines Gaswerkes auf dem Areal beim Elektrizitätswerk: bestimmend für die dannzumalige Stellungnahme waren die finanziellen und betriebstechnischen Vorteile, welche sich nach der übereinstimmenden, auf eingehendem Studium beruhenden Ansicht der Experten und der Behörde, als sichere Folge mit der Zustimmung zum erstmals vorgeschlagenen Platze ergeben hätten. Dieser Standpunkt erhielt aber Ihre Billigung nicht; Sie haben an obgenannter Gemeindeversammlung die verlangte nochmalige Prüfung der Angelegenheit gutgeheißen und den nachstehenden Antrag: "Die Gemeindeversammlung ist grundsätzlich mit der Erstellung eines Gaswerkes einverstanden; dagegen verlangt sie, daß die gemeinderätliche Vorlage bezüglich Platzfrage und Rentabilitätsberechnung gründlicher ausgearbeitet und uns in der Oktoberversammlung ein anderer Platz mit Gutachten vorgelegt werde", angenommen.
Das von dem bekannten Gasfachmann Herrn Direktor Burkhard, Luzern, ausgearbeitete Projekt der Erstellung eines Gaswerkes im Bergholz fand hierauf an der Versammlung vom 26. November 1911 die einhellige Zustimmung der Bürger, wobei gleichzeitig auch der hiefür notwendige Kredit von Fr. 540'000.- erteilt wurde. Mit der Projektierung und Bauleitung für die Hochbauten wurde Architekt Paul Truniger, Wil, betraut.
Am 22. März 1912 wurden die Bauarbeiten in Angriff genommen, am 22. November gleichen Jahres konnte die Gasfabrikation begonnen und drei Tage später, am 25. November, erstmals Gas in das Leitungsnetz abgegeben werden.
Die gesamten Erstellungskosten beliefen sich auf Fr. 623'549. Am 25. November 1912 erfolgte die Eröffnung des Betriebes.
Bis Ende Juni 1913 war schon ein Leitungsnetz von 13'784,6 m totaler Länge vorhanden. Zum Vergleich möge dienen, daß Ende 1962 das Leitungsnetz eine Länge von 121'596 m aufwies!
Anfänglich fand das Gas aus der Steinkohlendestillation ausschliesslich für Beleuchtung und Kochen Anwendung. Von 1923 bis 1939 erfolgte die erste Expansionsphase ausserhalb der Stadt Wil. Leitungen wurden in Richtung Aadorf und Toggenburg verlegt und etliche Dörfer an die Wiler-Gasversorgung angeschlossen. 1973 wurde die eigene Gasproduktion eingestellt und auf das über Fernleitungen importierte Erdgas umgestellt. Ab 1990 erfolgte die zweite Expansionsphase. Im Trend des wachsenden Umweltbewusstseins und dem Ziel die Umweltbelastung zu reduzieren, wurden 10 weitere Gemeinden in der Umgebung von Wil neu an die Erdgasversorgung der Technischen Betriebe Wil angeschlossen.
(Darstellungen: 50 Jahre Gaswerk Wil 1912-1962; Jubiläumsschrift zum 50-jährigen Bestehen des Gaswerkes Wil, Wil 1963, homepage der Technischen Betriebe Wil). www.tbwil.ch/erdgasversorgung















































