Am 14. Januar 1898 konstituierte sich eine Beleuchtungskommission aus folgenden Mitgliedern:
Truniger Jos., Gemeindammann, Präsident Müller Jos., Gemeinderat Müller Carl, Fabrikant Bossart Jos., Professor Müller Wilh., Präsident der Ortsverwaltung Diese Kommission hatte den ehrenvollen Auftrag übernommen, zu untersuchen, in welcher Weise dem seit Jahren erfolgten Ruf nach einer neuen, besseren Beleuchtung am besten entsprochen werden könnte. Aus dem Amtsbericht vom Sylvester 1899 seien die folgenden Ausführungen wortgetreu wiedergegeben:
"Die Kommission hat die Aufgabe trotz ihrer unverkennbaren Schwierigkeit und Verantwortung mit der Hoffnung übernommen, durch dieselbe dasjenige schaffen zu helfen, was für unsere Gemeinde, sofern sie in ihrer Entwicklung nicht gehemmt werden und zurückbleiben will, zur wirklichen Notwendigkeit geworden ist.
Als Hauptgrundsatz hat die Kommission nach reiflicher Ueberlegung und unter Berücksichtigung der allseitigen Bedürfnisse des Ortes festgestellt, dass es sich nicht nur um Beschaffung von Licht, sondern auch um Kraft handle, und dieser Grundsatz wurde in der Folge konsequent festgehalten. Um trotzdem alle möglichen Systeme, wie Steinkohlengas, Elektrizität, Acetylen, Wassergas etc. zur Konkurrenz, bzw. zum vergleichenden Studium herbeizuziehen, einigte man sich auf ein einheitliches Programm, das am 20. Jan. 1898 an eine grössere Anzahl in Frage kommender Firmen versandt wurde."Die Anträge des Gemeinderates an die Bürgerversammlung vom 31. Dezember 1899 lauteten wie folgt:
1. Es soll auf Grundlage der Vorschläge der Beleuchtungskommission und des vor-liegenden Projektes II von Rieter & Co. ein städtisches Elektrizitätswerk behufs Licht- und Kraftbeschaffung erstellt werden, welches unter dem Titel "Elektrizitätswerk Wil" einen speziellen Verwaltungszweig der Gemeinde bildet und separate Rechnung führt.
2. Dem Gemeinderat sei zur Ausführung des Projektes der erforderliche Kredit von ca. Fr. 363'000.- erteilt in dem Sinne, daß er berechtigt sei, diese Summe nach Bedarf durch ein Anleihen zu erheben.
3. Für die öffentliche Beleuchtung leistet die politische Gemeinde in den ersten drei Jahren einen jährlichen Beitrag von Fr. 8'000.-. Nach Verlauf von drei Jahren hat der Gemeinderat der politischen Gemeinde einen neuen Finanzplan, gestützt auf die seitherigen Betriebsergebnisse, vorzulegen.Diese Anträge wurden von der Bürgerschaft nach lebhafter Diskussion, unter Ablehnung eines Verschiebungsantrages, mit überwältigendem Mehr angenommen.
Die baulichen Arbeiten schritten rüstig vorwärts, sodaß die Eröffnung des Werkes auf den 31. Dezember 1900 geplant war. Da sowohl das Elektrizitätswerk Kubel A.G. wie Rieter & Co. ihre Arbeiten auf das vorgesehene Datum nicht vollenden konnten, mußte die Eröffnung auf später verschoben werden.Die Erwartungen hinsichtlich des Anschlusses von Lampen und Apparaten wurden restlos erfüllt; bei Abschluß der Bauabrechnung im Jahre 1901 erzeigte sich folgende Situation:
2'900 Privatlampen 300 Lampen im kantonalen Asyl 123 Glühlichtstrassenlampen 18 große Bogenlampen für Strahlenbeleuchtung 6 kleine Privatbogenlampen 25 Bügeleisen 1 Kochapparat 15 Elektromotoren von total 126 PS.Erstellungskosten Die gesamten Baukosten betrugen Fr. 513'898.10 (Kostenvoranschlag Fr.365'000.-). Die Kostenüberschreitung ist hauptsächlich auf Erweiterungen, die sich im Verlaufe der Bauausführung als notwendig oder wünschbar erwiesen, zurückzuführen.Die probeweise Einschaltung der Anlagen erfolgte im Verlaufe des Monats Januar 1901, worauf dann am 4. und 5. Mai sowie 25. Juli 1901 die Collaudation durchgeführt werden konnte, welche ein tadelloses Funktionieren der Anlagen feststellte.
(Gründungs- und Baugeschichte, in: 50 Jahre Elektrizitätswerk Wil 1901-1951; Jubiläumsschrift zum 50-jährigen Bestehen des E.W. Wil, Wil 1951)


























