Die Zahl der Evangelischen verdoppelte sich zwischen 1850 und 1860 auf annähernd zweihundert. Bereits 1863 wählte eine Versammlung eine provisorische Kirchenvorsteherschaft, welche die Kirchgemeindegründung vorbereiten sollte. Den unmittelbaren Anstoss zur Gründung gab indessen erst eine Auseinandersetzung um die Abdankung für den evangelischen Kirchenvorsteher Johann Stiefel im Sommer 1886. Als Stiefel starb, wurde gerade die alte St. Peterkirche abgebrochen, um dem heutigen grösseren Bau Platz zu machen. In dieser Situation baten die Angehörigen des Toten den katholischen Kirchenverwaltungsrat, er möge ihnen für die Abdankung die Stadtkirche überlassen. Weil die Bitte abschlägig beantwortet wurde, musste der Trauergottesdienst schliesslich im Freien, inmitten von Trümmern der St. Peterkirche, stattfinden. Die Evangelischen fühlten sich dadurch begreiflicherweise gedemütigt. Auch befürchteten sie, man könnte ihnen künftig die St. Peterskirche ebenfalls vorenthalten. Um Klarheit zu schaffen, schickte die provisorische Kirchenvorsteherschaft im August 1887 ein Schreiben an den katholischen Kirchenverwaltungsrat mit der Bitte um weitere Ueberlassung des angestammten Abdankungsortes. Die Antwort liess bis Januar 1988 auf sich warten und war ablehnend. Begründung: Man wolle aus St. Peter keine paritätische Kirche machen.
17 Monate Planungs- und Bauzeit Noch im gleichen Monat beschloss eine Versammlung evangelische Männer einstimmig, eine eigene Kirche zu bauen und unter Einbezug von Bronschhofen und Rossrüti eine selbständige Kirchgemeinde zu gründen. Eine Kommission begann sofort mit einer Geldsammlung, an der sich übrigens viele Katholiken grosszügig mitbeteiligten. Bald suchten nun auch die evangelischen Rickenbacher Anschluss an die entstehende Kirchgemeinde. Im Dezember 1888 stimmte ein weitere Versammlung dem Kauf eines Grundstückes an der Toggenburgerstrasse zu, und im Mai 1889 erhielt Architekt Grüebler von Wil den Auftrag für den Kirchenbau.
Am 18. August 1889 um 19 Uhr versammelten sich 62 Stimmberecht te in der Tonhalle zur Konstituierung der Evangelischen Kirchmeinde Wil. Diese zählte bei der Gründung 723 Mitglieder (Wil 578, Bronschofen-Rossrüti 88, Rickenbach 57). Eine Woche späte fand "begünstigt vom herrlichsten Wetter und unter Anwesenheit einer zahlreichen Volksmenge von Nah und Fern" ("Wyler Zeitung") die Grundsteinlegung für den Kirchenneubau statt. Und schon ein Jahr später, am 31. August 1890 war Kirchweihe und Installation des ersten evangelischen Pfarrers von Wil. Nochmals die "Wyler Zeitung": "Es war wirklich ein stattlicher Zug, der (.. durch die untere Bahnhofstrasse nach der Toggenburgerstrasse wallte, wo das schmucke, neue Gotteshaus, an herrlichem Platze stehend, seit einigen Wochen mit seinem schlanken Turm nach oben zeigt und als schönes, wohlgelungenes Werk in allen Teile seinen Meister lobt." Der Neubau war auf 87'800 Franken zu stande gekommen; Planung und Bau hatten lediglich 17 Monate beansprucht.
In den Jahren 1962/63 musste die alte evangelische Kirche einem Neubau weichen, der heutigen Kreuzkirche.















