An der Strasse nach Neulanden bei Wil, damals noch ein weitgehend unbesiedeltes Gebiet zwischen Fürstenlandstrasse und Von Thurnstrasse, baute Jakob Lichtensteiger aus Zuzwil im Jahre 1877 seine Wirtschaft. In Anlehnung an die schöne Hanglage nannte er sie "Sonnenberg". Vielleicht wollte er auch als Heimweh-Zuzwiler an die Örtlichkeit gleichen Namens erinnert werden. Der massive Bau mit Sommergarten wurde am 25. Januar 1878 eröffnet, schon in Hinblick auf die bevorstehende Fastnacht. Lichtensteiger lud denn auch alle Freunde, Gönner und vor allem die (spärlichen) Nachbarn zu Bällen und Abendunterhaltungen ein. Am Hirsmontag erfreute das "Stockfischessen" seine Gäste.
Zusätzlich empfahl der Wirt sich für frischgemolkene Kuh- und Ziegenmilch, die er von morgens 6 bis 7 Uhr und abends von 7 bis 8 Uhr verkaufte. Ab 1880 führte er zudem auf der neuerbauten Kegelbahn das sogenannte "Kegelschieben" mit verlockenden Preisen durch, das sich infolge schlechter Witterung immer wieder als "Kegelschieben - verschieben" erwies. Als Mann der Tat liess er die Kegelbahn überdachen. Am "Weissen Sonntag" 1884 wurde sie wieder eröffnet und mit einem Preiskegeln würdig eingeweiht.
Es brauchte einigen Mut, auf dieser abgelegenen Strasse ein gastliches Haus mit Gartenwirtschaft, Kegelbahn und Pferdestallungen zu führen, wo doch vorwiegend sonntägliche Spaziergängereinkehrten. Neben der "Fürstenau" an der Fürstenlandstrasse und dem "Nieselberg" als Saisonwirtschaft war der "Sonnenberg" bis zu seiner Schliessung Ende 1974 die einzige Gaststätte im Neulandenquartier. Die Familie Schlumpf blieb der Gegend lange treu, liess auch 1952 die Wirtschaft renovieren. Wer in neuerer Zeit die Neulandenstrasse hinaufging, mag sich noch gut an die Gartenwirtschaft erinnern, an deren kleinem Waschhäuschen der furcht-erregende Kopf eines ausgestopften Ebers prangte.
(Olbrich, Willi; Gastliches Wil, Wil 1989)
