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Taverne "Zum Löwen"

Gastgewerbe · Arbeit & Wirtschaft

Eines der ältesten Gastlokale Wils, über die wir einige Nachrichten haben, ist die Taverne "Zum Löwen" in der "Unteren Vorstadt". Im Jahre 1662 erhielt der Löwenwirt Ulrich Sailer von Schultheiss und Rat die Erlaubnis, einen Gang aus seinem Haus "Zum Löwen" zu dem kurz zuvor von Andreas Klinger erworbenen Haus hinten im "Süsswinkel" an der Ringmauer, zu erstellen. Er und sein Nachbar, der Schäfliwirt Hans Konrad Zimmermann durften mit ihren Häusern nach Belieben in die Höhe und die Tiefe fahren.

Die vielen kriegerischen Auseinandersetzungen, in die die Stadt Wil im Laufe ihrer Geschichte verwickelt war, verschonten auch den einfachen Bürger und Wirt nicht. Im 2. Villmergerkrieg oder auch "Toggenburgerkrieg" von 1712, so berichtet Salomon Hirzel in seiner handschriftlichen Chronik, "ist eine Bombe in Herrn Ratsherren Müllers Hauss, als in das Wirths Hauss zum Löwen gefallen, welche die Böden zerschlagen, die Fenster alle zerschmettert, die Treppen unbrauchbar gemacht und fast das gantze Haus ruiniert hat".

Der alte "Löwen" wich 1781 einem Neubau, dem heutigen Wohnhaus mit französischem Dach. Doch durfte dabei das hintenliegende Gässlein, durch welches jedermann seit unerdenklichen Jahren "passiert und repassiert" war, und durch das die Pferde inden Stall hinter dem "Schäfli" geführt werden konnten, nicht verschlossen werden.

Im "Löwen" verkehrten viele Persönlichkeiten, Künstler, Sänger, Dichter. Viele Bestrebungen auf musikalischem und theatralischen Gebiet gingen vom "Löwen" aus. Hier war es auch, wo Landammann Sailer im Kreise seiner Freunde erstmals seine "Nonne von Wyl" vorlas. 1856 gab hier Jakob Anton Tobler, Musiklehrer aus Eggersriet, den "Wiler Anzeiger" heraus, dem ein Jahr später die "Wyler Zeitung" folgte. 1861 wurde im "Löwen" ein freiwilliger Feuerwehrverein gegründet. Im März 1884 findet sich als Traktandum eins der ordentlichen Generalversammlung der Theatergesellschaft im "Leuen" die Vorlage der Rechnung über die Aufführungen der Oper "Martha".

Unter Wirt Truniger, der zugleich Kreiskommandant war, wurde der "Löwen" zum Speiserestaurant. Der hintere Gebäudeteil, der "Löwengarten", gehörte zum "Löwen" und wurde erst ab 1903 selbständig, lange nachdem der "Löwen" schon geschlossen hatte. Im Jahr 1893 nämlich erlosch das Patent und die Wirtschaft ging ein.

(Olbrich, Willi; Gastliches Wil, Wil 1989)

Quelle: wilnet.ch