Arbeit & Wirtschaft

Speisewirtschaft "Schützenhaus"

Gastgewerbe · Arbeit & Wirtschaft

Das Schützenhaus gehört zu den historisch wertvollen Gebäuden Wils. Um etwa 1540 wurde es ausserhalb der Stadt-mauern erbaut. Die Scheiben, auf die bei Übungen oder Schützenfesten gezielt wurde, gaben dem Hang jenseits des Stadtweihers den Namen "Scheibenberg". Im 2. Villmergerkrieg 1712 standen 30 Mann beim Schützenhaus mit ihren Musketen bereit. Während der Helvetik, als fremde Truppen durch Wil marschierten, wurde es 1799 kurzerhand zum Lazarett für verwundete Franzosen umfunktioniert. Beim schönen alten Wiler Brauch des "Stäckliträgens" trugen Kinder beim Endschiessen die Gaben durch die Stadt und brachten sie zum Schützenhaus.

In einer Liste der Getränkeabgaben aus dem Jahre 1825 ist das "Schützenhaus" erstmals als reguläre Wirtschaft erwähnt. An der ehemaligen Schützengasse, später Schützenstrasse und heute Weiherstrasse gelegen, bot es sich für einen Wirtschaftsbetrieb förmlich an. Als eine der ersten Wirtinnen war bis 1858 Jungfrau Anna Maria Ehrenzeller aus Oberbüren tätig. Im Mai 1877 übernahm mit Kreiskommandant J. P. Truniger eine stadtbekannte Persönlichkeit das "Schützenhaus". Nicht nur die Tradition des Stockfischessens am Aschermittwoch wurde aufrechterhalten, sondern auch die Barbarafeier des Artillerievereins Wil und Umgebung wurde eingeführt. Zeitweise waren auch eine Metzgerei, eine Schlosserei und später eine kleine Glaserei im ehemaligen Schützenstand eingerichtet. 1837 hatte die Stadt Wil die Liegenschaft an die Feldschützen (heute Stadtschützen) verkauft, die sie 1888 weiterverkauften. Bis 1944 wurde der Wirtschaftsbetrieb aufrechterhalten, dann wurden im "Schützenhaus" Wohnungen eingerichtet. Die letzten "Schützenhauswirte", die Familie Schmid, verkauften das Haus an die politische Gemeinde Wil. Heute gehört das "alte Schützenhaus" dem Kanton St.Gallen. Bei der sorgfältig ausgeführten Renovation im Jahre 1977 wurden in der ehemaligen Gaststube im ersten Stock wertvolle historische Funde gemacht. u.a. wurden 16 auf Holzbretter gemalte Familienwappen gefunden, von so bekannten Wiler Geschlechtern wie Kienberger, Servert, Falk, Galati, Wieland und Schärer.

(Olbrich, Willi; Gastliches Wil, Wil 1989)

Bildarchiv (2)

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Quelle: wilnet.ch