Arbeit & Wirtschaft

Restaurant "Zur Erheiterung" bzw. "Paradies"

Gastgewerbe · Arbeit & Wirtschaft

Auch in Wil war und ist das Bedürfnis nach Unterhaltung, nach musikalischen Genüssen vorhanden. Die Gartenwirtschaft und "Concerthalle zur Erheiterung" an der Haldenstrasse brachte die unterschiedlichsten Attraktionen vors Publikum. Ihre Lage war idyllisch, in einem kleinen Park.

Um 1876 wird Hauptmann Georg Sebastian Lumpert als Wirt in der "Erheiterung" erwähnt. Im gleichen Haus wohnte damals der patentierte Arzt Dr. G. Stadler. Nach dem Tod von Hauptmann Lumpert im Jahr 1894 übernahm sein Sohn Robert die Wirtschaft. Bereits im ersten Jahr seiner Wirtszeit konzertierten die Blechharmonie Oberbüren ebenso wie die Stadtmusik Wil, denen eine ganze Anzahl weiterer Orchester folgte. Der Erfolg scheint sich eingestellt zu haben, es wurden "auswärtige" Attraktionen verpflichtet. So am 11. und 12. Juli 1896, als ein "grosses lustiges Konzert" mit der "überall beliebten Tyroler-Alpenterzett-Sänger, Jodler und Schuhplattlertänzer-Gesellschaft Toni Christi in Nationaltracht" angekündigt wurde. Zur Erinnerung an das 100ste Klavier von S. Hugentobler-Näf, Klaviermacher, gaben 1897 dessen Frau und einige Musikfreunde ein Konzert in der Halle zur "Erheiterung".

Vor allem um die Jahrhundertwende wurden die Programme durch Variete-Gastspiele bereichert. 1901 gastierte die "erste internationale Künstlertruppe Waltershaussen" mit ihrem "hochfeinen Variété-Programm", das u.a. Kunstgesang, Tierstimmenimitation, Schnellmalerei und Zauberei enthielt. Das Konzert der "3 kleinsten Schwestern der Welt", von "Prinzessinnen aus Liliput" von 1904 scheint ebenfalls regen Anklang gefunden zu haben. Vor allem musikalische Darbietungen waren gefragt, so gab 1905 das "Silesia-Künstler-Ensemble" gleich drei Konzerte mit ihrem "urkomischen Programm", das aus Soli, Duetten, Terzetten, Lustspiel-Szenen, Possen und Burlesken bestand.

Als gelernter Hafner hatte Robert Lumpert auch stets ein Lager an Kachel- und Trog-Öfen, während sein Vater als Weinhändler periodisch auch "Billigwein" absetzte, einmal sogar einen "gesunden, rothen Arbeiterwein", Quantitäten von 100 Litern zu 30 Rappen den Liter! Im Jahr 1905 fand in der "Erheiterung" die Eröffnungsfeier des Athletenklubs Wil statt.

Während des 2. Weltkrieges beherbergte das Restaurant "Paradies" viele Internierte, wie dies in einigen anderen Wiler Gasthäusern ebenfalls geschah. Am 15. September 1970 wurde der Wirtschaftsbetrieb eingestellt und die Liegenschaft zwecks Abbruch verkauft.

(Olbrich, Willi; Gastliches Wil, Wil 1989)

Bildarchiv (4)

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Quelle: wilnet.ch