Arbeit & Wirtschaft

Restaurant "Warteck"

Gastgewerbe · Arbeit & Wirtschaft

"Wenn man von der oberen Vorstadt herkommt, so werden die Blicke unwillkürlich auf ein neues schönes Gebäude gerichtet, das wie zum Boden heraus gewachsen ist und der Stadt als Vorhalle zur Zierde gereicht". So hiess es anfangs Oktober 1888, als der Neubau, in dem die Wirtschaft zum "Schönenberg" eingerichtet wurde, fertig erstellt war. Unmittelbar bevor das Gebäude seiner Bestimmung übergeben werden konnte, beherrschten noch unförmige Mauern die Strasse, die die eingeworfene Erde im Garten zur "Toggenburg" festhielten. Dadurch wurde die Strasse selber und der Adlerplatz etwas breiter und wesentlich freundlicher, was der Liegenschaft "Schönenberg" helfen sollte. J. A. Schönenberger hatte die Idee gehabt, aus 1'400 Fudern Erde eine 10 m3 dicke, mit echten "Kurpfälzern" gepflasterte Mauer zu errichten, die aber vor der Fundamentlegung wieder abgebrochen werden musste. "Ein lichtes, massiv gebautes Haus, das auf seinem Asphaltdach einen sonnigen Blumengarten trägt und infolge der günstigen Verkehrslage für jeden Geschäftsbetrieb geeignet ist", beschrieb die Lokal-presse das Ergebnis der Bemühungen.

Doch leider blieb der Erfolg spärlich, Schönenberger verkaufte bereits zwei Jahre nach der Eröffnung seine Wirtschaft für Fr. 24'000.- an Jean Müller. Dieser stellte seine Räumlichkeiten immer wieder für das damals beliebte "Zimmerschiessen" zur Verfügung.1893 manipulierte dabei aber ein Gast so unglücklich an einem geladenen Flobertgewehr herum, dass ein Schuss sich löste und die Wirtin ins Bein traf. Damit war auch der Stern der Wirtschaft im Sinken begriffen, Jean Müller musste Konkurs anmelden und der Betrieb wurde eingestellt. 1896 übernahm Josua Sutter das Szepter. Einige Jahre wurde die Wirtschaft als "Schönenberg" geführt, bis 1901 die Umbenennung in "Warteck" erfolgte. Doch der Niedergang war auch hier programmiert. Durch verschiedene Differenzen mit den Behörden, die u.a. den Betrieb nur unter dem Vorbehalt des Patententzuges bei schlechter Wirtschaftsführung erlaubten, zeichnete sich allmählich das endgültige Ende ab. Am 15. Juni 1946 wurde die Wirtschaft freiwillig aufgehoben und eine Metzgerei eingerichtet. Die Auflösung wurde sogar so sehr begrüsst, dass der Kanton eine Entschädigung von Fr. 4'000.-, die Gemeinde Fr. 500.- und der Wirteverein Fr. 250.- auszahlten! Heute ist in der ehemaligen Wirtschaft zum "Warteck" die Wiler Ludothek untergebracht.

Im Zuge der letzten Renovation wurden in der ehemaligen "Warteck" die technischen Anlagen des "Hofs" untergebracht.

(Olbrich, Willi; Gastliches Wil, Wil 1989)

Bildarchiv (1)

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Quelle: wilnet.ch