Die Holzscheunen der Bauern dienten wohl als Vorlage für Holzhütten, die, in einer etwas veredelten Form und mit grossen Lichtspendern versehen, vielfache Verwendung fanden. So schätzte man sie von der Jahrhundertwende an bis in die sechziger Jahre als Musikpavillons, Kegelbahnen oder als Sommer-Wirtschaften.
Ein typisches Beispiel dieser Holzbauten war die 1931 erstellte Saison-Wirtschaft "Neulanden". August Niedermann, ein Wirt aus Mosnang, errichtete sie auf Neulanden als ein schön überdachtes Holzhaus mit grosser Fensterfront gegen Süden. Ab dem 10. Juli 1931 begann er zu wirten, war doch das Bedürfnis recht gross, densonntäglichen "Familienschlauch" ausserhalb der Stadt in einer gemütlichen Umgebung zu beenden. In Anlehnung an eine Änderung der Strassenbezeichnung im März 1932 änderte August Niedermann den Namen seiner Saison-Wirtschaft von "Neulanden" auf neu "Fürstenau". Bis 1956 wirtete August Niedermann, danach übernahm seine Frau, Ida Niedermann-Lemmenmeier, bis zum Abbruch im Jahre 1959 das Szepter. Es wurde kein Patent mehr gelöst, die Ära dieser überdachten Gartenwirtschaften, die nur über den Sommer geöffnet hatten, ging damit in Wil zu Ende.
Motel nennt man ein Hotel, dessen Zimmer direkt von der Garage aus erreicht werden können. Minigolf ist eine sportlich-vergnügliche Anlage im Kleinformat. Beides war neu für Wil, als im Jahr 1959 das Motel "Minigolf" an der Stelle der ehemaligen Sommerwirtschaft "Fürstenau" erbaut wurde. Die Eröffnung fand am 1. April 1961 statt, als erster Wirt amtete Roccus Cotti aus Sur in Graubünden. Nachdem der erste "Gwunder" über das "Minigolf-spielen" vorüber war, stellte sich eine kleine Stammkundschaft ein. Auch bei diversen Wirtewechseln sollte es so bleiben, bis 1968 ein neuer Wirt den "Laden umpuffte", wie er selber sagte.
Am 18. Dezember 1968 übernahm Hans Tinner das "Minigolf". Als ausgezeichneter Küchenchef konnte er dem Betrieb rasch den Titel "Speiserestaurant" beifügen. Der Kundenkreis entwickelte sich erfreulich, und so konnte Hans Tinner im Jahr 1976 dem Wieziker Schreinermeister Erwin Brühwiler den Auftrag erteilen, eine schöne Arven-Stube zu gestalten. Zwei Jahre später erfolgte ein weiterer Umbau. Zu Ehren seines Lieblingsmalers liess Tinner von den Wiler Künstlern Bruno Berlinger und Leo Gruber die "Segantini-Stuba" ausmalen. Erwin Brühwiler war wiederum für die Gestaltung in Holz zuständig. Durch diese Umgestaltungen erhielt das "Minigolf" seine einzigartige Note, die viele Freunde fand. Anstatt an der Fastnacht die Räumlichkeiten mehr oder weniger gelungen zu dekorieren, veranstaltete Tinner regelmässig Jassturniere, die bald zu wahren Grossanlässen wurden. Die Rangverkündigungen wurden meist durch Prominenz aus Radio und Fernsehen vorgenommen. Da er keinen Nachfolger aus der Familie finden konnte, entschloss sich Hans Tinner schweren Herzens, den Betrieb zu verkaufen. Das Abschieds-Jassfestival dauerte vom 10.-30. November 1986 und wurde zu einem Riesenerfolg.
(Olbrich, Willi; Gastliches Wil, Wil 1989) Nach einer Zwischenzeit als Hotel Fürstenau befindet sich seit 2020 in den Räumlichkeiten das italienische Restauran la sila https://www.lasila.ch/








