Anfangs 1903 verkaufte Fridolin Braun für Fr. 32'500.- ein eben im Bau begriffenes Haus an der Poststrasse, in der Nähe des Bleicheplatzes, an Frau Anne Marie Bernet. Am 29. Juni 1903 eröffnete diese darin die "Wyler Kaffeehalle". Das verlockende Angebot ihrer "Kaffeehalle" bestand hauptsächlich aus warmen Getränken, also Kaffee, Tee, Milch und Schokolade. Dazu empfahl sie Fladen, Ohrli und anderes Gebäck. Der Charakter als alkoholfreie Gaststätte oder Temperenzwirtschaft, wie sie damals hiess, wurde noch unterstrichen durch den Hinweis auf Limonade und Sirup, auch alkoholfreie Trauben- und Obstweine waren erhältlich. Leider scheint diese Idee in Wil nicht Fuss gefasst zu haben, bereits ein Jahr später ging die Wirtschaft ein.
Im Jahr 1909 erwarb Josef Brüniger aus Sirnach die ehemalige Temperenzwirtschaft und eröffnete im Mai des gleichen Jahres darin die Speisewirtschaft zum "Speer". 1921, als das Postgebäude nicht mehr an der Oberen Bahnhofstrasse stand, wurde die Strasse in Speerstrasse umbenannt, ein Indiz dafür, dass sich der "Speer" gut etabliert hatte. Heute befindet sich die Wirtschaft mit dem kleinen Gastgarten an der Johann-Georg-Müllerstrasse.
Durch Ausbruch einer Wand wurden die beiden Wirtschaften "Speer" und "Viktoria" vereint und laufen jetzt unter dem Doppelnamen "Viktoria-Speer".
(Olbrich, Willi; Gastliches Wil, Wil 1989) https://www.tagblatt.ch/ostschweiz/wil/im-speer-loeschen-die-lichter-ld.598488


