In der grossen Familie Müller aus Mosnang finden sich viele kluge und weitsichtige Geschäftsleute. Es verwundert darum auch nicht weiter, dass sie als Eigentümer vieler Bauten und auch von reichlich Bauland bekannt waren. Fridolin Müller, der schon verschiedentlich als Verkäufer von Bauplätzen in Erscheinung trat, verkaufte 1888 an Joseph Eisenegger 384 m2 Land an der Unteren Bahnhofstrasse. Dieser baute darauf ein zweistöckiges Wohn- und Geschäftshaus. Kurze Zeit später ging das Objekt käuflich an Metzger Wilhelm Vollmar aus Wil über. Am 26. Juli 1904 eröffnete Johannes Stetter aus Memmingen darin die Speisewirtschaft "Metropole". Im gleichen Gebäude war die Metzgerei und Wursterei von Wilhelm Vollmar untergebracht, eine Konstellation, die gar nicht selten, dafür umso vielversprechender war. Schon 1912 übernahm Metzger Siegfried die Metzgerei. Frau Stetter war weitherum bekannt für die vorzüglichen Leberknödel, die sie stets kochte, wahrend ihr Mann mit einem Fuhrwerk sein selbstgebranntes Wasser an den Mann zu bringen versuchte. Exakt zu Kriegsbeginn, am 1. September 1939 übernahm Frau Stetter allein den Wirtschaftsbetrieb.
Zur Zeit des Zweiten Weltkrieges geriet das Haus in einen etwas zweifelhaften Ruf, gingen doch im 1. Stock die "Fröntler" ein und aus, und es waren öfters einschlägige Lieder zu hören. 1945 schloss die "Metropole" ihre Pforten. Sie beherbergt heute nur noch die bestbekannte Metzgerei Siegfried. Dort wo sich die Wirtschaft befand, ist jetzt ein Woll-Laden untergebracht.
(Olbrich, Willi; Gastliches Wil, Wil 1989)
