In der "Unteren Vorstadt", heute etwas versteckt, befindet sich der "Löwengarten". Wann genau er eröffnet wurde, lässt sich nicht mehr sagen. Erste Kunde finden wir im "Wyler Anzeiger" vom 7. Juni 1873, wo Gallus Schmidweber die Wiedereröffnung der Gartenwirtschaft und Kegelbahn anzeigte. Im gleichen Monat übernahm H. Pfenninger pachtweise den Betrieb. Der "Löwengarten" war ursprünglich die Gartenwirtschaft des "Löwen" und wurde erst 1903 selbständig geführt. Hier war auch das Vereinslokal des Kaufmännischen Vereins Wil, der im 1. Stock seine Winterkurse abhielt.
Der "Löwengarten" scheint sehr rasch beliebt gewesen zu sein,im "Wyler Anzeiger" vom 14. Juni 1873 wird bereits unter dem Titel "Auch ein Fortschritt" wie folgt geklagt: "Wer am Vormittag des Fronleichnamsfestes während der Prozession zu einer Erquickung ein Glas Bier im "Löwengarten" aufsuchte, der war aufs Höchste überrascht, als er bei seinem Eintreten sah - wen? - was? Ein Rudel Stadtmädchen, die samt und sonders, gleich dem anderen Geschlecht, sich auf ihr Plätzchen niederliessen und sich gütlich taten, den brennenden Leibesdurst, der den Durst frommer Andacht übertroffen, mit Gerstensaft zu stillen. Ist es nicht ein trauriges Zeichen unserer Zeit, dass junge katholische Töchter in ihrer frommen Andacht, wie in ihrem geziemenden Anstand so weit zurückgehen, dass sie es nicht unter ihrer Würde halten, die Bierhalle dem öffentlichen Gottesdienste vorzuziehen."
In den späteren Jahren waren es vor allem der Ausschank von "feinstem Münchner Bier", nämlich von "Franziskaner-Bräu" oder ein "Ungarisches Eulias-Gullasch mit Knödel", begleitet von einem Streichkonzert der acht Mann starken "Zigeuner-Gesellschaft Winterthur", die für Aufsehen sorgten.
Heute sind vornehmlich italienische Gastarbeiter oder Ansässige der zweiten oder gar schon dritten Generation im "Löwengarten" anzutreffen, die dort mit südländischem Temperament ihren Wein trinken und den Kontakt zu ihren Landsleuten pflegen.
(Olbrich, Willi; Gastliches Wil, Wil 1989) Viele Jahre wurde unter dem Namen "BissFEST" ein neues Konzept verfolgt, heute ist aber auch dies Vergangenheit.

