Arbeit & Wirtschaft

Restaurant "Krone"

Gastgewerbe · Arbeit & Wirtschaft

Wer die Schaufenster von Kilian Schönenberger an der Kirchgasse Nr. 25 betrachtet, ahnt wohl kaum, dass sich in diesem Haus einst das führende Gasthaus in Wil, die herrschaftliche "Krone" befand.

1963/64 wurden die Räumlichkeiten als Wohn- und Geschäftshaus neu ausgebaut. Bei diesen Arbeiten stiess man bei einer Balkendecke auf die Jahrzahl 1607. Bereits 1636 wurde die "Krone" erstmals erwähnt, als nämlich 800 Pilger von Konstanz und Überlingen in Wil Halt machten. Sie waren auf dem Weg nach Einsiedeln, um für die glückliche Überstehung der Schwedengefahr zu danken. Die Stadt Wil verpflegte die Gäste in der Wirtschaft zum "Roten Gatter", die Geistlichkeit und die Vorgesetzten logierten im Gasthaus zur "Krone". Als Gastwirtsfamilie ist aus dieser Zeit die geachtete Bürgersfamilie Kienberger überliefert, ein Geschlecht, dem eine ganze Reihe Geistlicher, Ratsherren und Offiziere entspross. Noch heute zeugt die "Kienbergerkette" in der St. Nikolauskirche in Wil von der Tapferkeit des Hans Kienberger, der anno 1688 in Negroponte gegen die Türken kämpfte. Die Kette ging als Geschenk des Vaters, des Ratsherren und Seckelmeisters Hans Georg Kienberger, seines Zeichens "Kronenwirt", an die Kirche, um Erbstreitigkeiten in der Familie zu vermeiden. Um 1800 erlosch das Kienbergergeschlecht mit dem Tod von Joachim Kienberger. Zweiledige Schwestern von ihm führten die "Krone" weiter, wobei eine als die "Jungfer Mariann von der Kron" weitherum bekannt war. Zu dieser Zeit befanden sich zu ebener Erde neben dem stattlichen Hauseingang die geräumigen Pferdestallungen, im 1. Stock schlossen sich zwei grosse Wirtschaftszimmer nebst Wohnungen an und in den oberen Räumlichkeiten die Fremdenzimmer.

Das Gebäude fiel äusserlich durch den eigenartigen Dachgiebel auf und fast scheint es, als wäre auf der Ostseite der Ausbau erst später erfolgt.

Am 6. Mai 1798 stieg der aus dem Elsass stammende General Laur, einer der Führer der französischen Invasionstruppen, in der "Krone" ab. Der Kronenwirt Baptist Keller empfing 17 Jahre später, am 19. Oktober 1815 gar den durchreisenden österreichischen Kaiser Franz II. und den Feldmarschall von Schwarzenberg. Sie wurden in Wil von Rat und Bürgern durch Glockengeläute und Kanonendonner willkommen geheissen. Mit seinem Diamantring ritzte der Kaiser in die Fensterscheibe der Gaststube seinen Namen ein, der noch bis 1870 zu sehen war.

Mit Erlöschen des Kienbergergeschlechts sank die ehemals renomierteste Taverne zur gewöhnlichen Wirtschaft ab. In den nächsten 50 Jahren fanden immer häufiger Wirtswechsel statt. Am 16. November 1877 ging die Wirtschaft in den Besitz von Josef Anton Ruckstuhl über, der zudem als Agent für Auswanderer tätig war. 1879 wurde die Wirtschaft im 1. Stock geschlossen. Im August 1882 zierte Ruckstuhl seinen Torbogen anlässlich des in Wil stattfindenden kantonalen Sängerfestes mit folgendem Vers:

"In der Krone bei dem dicken Mann, Kehrt ihr Sänger und Freunde ein; Bei ächtem, gutem Thurgauerwein Lasst euch fröhlich und gemütlich sein."

Während seiner Wirtezeit errichtete Josef Ruckstuhl in der "Krone" einen Spezereiladen und eine Spirituosenhandlung. Das Jahr 1886 war ein schicksalshaftes Jahr für die "Krone". Josef Ruckstuhl musste Konkurs eingeben, seine Frau übernahm kurzfristig, ab Juni wirtete Conrad Vetterli. Bereits im November wurde die Wirtschaft jedoch für Fr. 32'000.- an Conrad Bötsch verkauft. Infolge Auflösung des Ladengeschäftes eröffnete am 15. November Albert Nater im Parterre eine Spezerei- und Merceriehandlung, im August 1888 gesellte sich neu auch Richard Grüebler mit seinem Verkauf von Filzhüten, diversen Schuhwaren und Kleiderverkauf dazu.

Der Niedergang der "Krone" war jedoch nicht mehr zu verhindern, viele Wirtswechsel zeugen vom stetigen Abstieg. Auch Frau Helen Kayser, die am 7. November 1893 die "Krone" übernahm, hatte wenig Erfolg. Sie liess die Gasträume im Parterre mehrfach umbauen. Ihre gute Küche und, was für Wil damals ganz neu war, ihre Massagen für Kranke nach der Methode der "Römisch-Irischen Kur-Anstalt", halfen wenig. Ein letzter Wirt, Hermann Pfisterer, konnte sich nur fünf Monate halten. Er musste Konkurs anmelden und gab das Patent zurück. Nach erfolgter Rückgabe ging die Wirtschaft zur "Krone" am 3. August 1895 ein und wurde am 10. November 1896 für Fr. 24'000.- an den Spenglermeister Wick verkauft.

(Olbrich, Willi; Gastliches Wil, Wil 1989)

Bildarchiv (2)

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Quelle: wilnet.ch