Auf einem Stadtplan von Wil, der anno 1735 rückblickend auf den Toggenburgerkrieg von 1712 angefertigt wurde, findet sich an der Stelle des heutigen "Jägerstüblis" eine kleine Häusergruppe. Ob diese durchgehend bestanden hat, oder ob sie abgebrochen wurde, lässt sich nicht genau sagen. Erst 1864 erscheint ein Gall Niklaus Wild, der einen Bauplatz an dieser Stelle an Zimmermeister Josef Anton Moser aus Wil verkaufte. Moser baute darauf ein Haus, das er 1870 an Sebastian Braun - einen der wenigen damaligen Bodenspekulanten - veräusserte, der darin die Pinte "Zur Traube" einrichtete. Am Sonntag, 26. Januar 1879, war die Eröffnung der Wirtschaft, wobei gleichzeitig auf den Verkauf von dürren Zwetschgen, Birnen und Honig aufmerksam gemacht wurde.
Bereits 1877 richtete der "Traubenwirt" in einem der Räume eine "Bierhalle" ein. Bei der Eröffnung versäumte er auch nicht, auf "Gaiskäse aus den Bündnerbergen" hinzuweisen. Ein Jahr später, am Ostermontag, dem 22. April 1878, wird die "confortableste", ganz neu eingerichtete "zweiläufige" Kegelbahn dem Publikum vor-gestellt. Im Winter war sie beheizt, wer konnte da widerstehen!
Auch kulturelle Aktivitäten machten die "Traube" bekannt. 1885 führte u.a. die "Harmonie Wyl" da den "Wilhelm Tell" auf. Nicht genug damit! Wirt Sebastian Braun zog noch einen Handel mit ganzen Aussteuern auf, unter dem vielversprechenden Namen"Möbelhandlung St. Peter, Wyl". Zudem betrieb er ein "Colonialund Farbwaaren-Geschäft", das er allerdings 1889 an seinen Sohn Emil übergab, der damit ins Haus "Friedeck" zog. Doch gingen die guten Zeiten der "Traube" damit zu Ende, selbst Sebastian Braun musste die Versteigerung der Liegenschaft zulassen. Damit begann eine Serie von Konkursen bis 1909. Aus der bis 1913 existierenden "Traube" wurde unter dem bekannten Busswiler Jäger und Wirt Jakob Mäder das heutige "Jägerstübli" an der St. Peterstrasse 10. Vor allem in den 20er- und 30er-Jahren erfolgten rasch einige Wirtswechsel, bis ab 1933 die Familie Wiesli wirtete und das "Jägerstübli" zur damalligen bekannten Wirtschaft wurde.
(Olbrich, Willi; Gastliches Wil, Wil 1989) Einige Jahre lang wurde das Restaurant mit dem Namen "Lhasa Stube" mit tibetischer Küche geführt.
Heute heisst das Restaurant "Santos Bar": https://santos-bar.webnode.es/




