Eine grosse Verschönerung des Verbindungsstückes Bahnhof-Oberstadt ist ohne Zweifel die im Jahre 1861 von der Bürgergemeinde Wil angelegte "Allee". Ohne die Weitsicht dieser Ortsgenossen - wie sie damals hiessen - wäre auch dieses Gebiet längst überbaut worden.
Am Sonntag, 2. Februar 1878, wurde an der Oberen Bahnhofstrasse, genauer an der "Bahnhof-Alleestrasse", die Speisewirtschaft "Zur Allee" eröffnet. Domiziliert war sie im Haus von Herrn Hürlimann, das im Jahr 1875 ebenfalls von der Ortsgemeinde Wil erbaut worden war. Der Wirt R. Umbricht empfahl zu diesem Anlass "Schweinsrippli, Öhrli, Blut- und Leberwürste mit Sauerkraut". Er "wird sich bemühen, durch gute und billige Getränke, schmackhafte Speisen und aufmerksame Bedienung die Wirthschaft aufs Beste zu empfehlen." Im gleichen Jahr folgte die Empfehlung zum Stockfischessen am Aschermittwoch und ab Ostern wurde "fortwährend gutes Bier ausgeschenkt. Es komme Jeder und prüfe selbst." Schon am 11. Januar 1879 aber musste Roman Umbricht den Konkurs anmelden, das Patent ging an Josef Ferdinand Weibel über.
Von 1878 bis 1879 hiess die Wirtschaft "Zur Allee", vom 28. Februar bis 29. November 1879 kurzfristig "Wilhelm Tell", von 1879 bis 1886 "Palme", bis 1924 dann "Hörnli"! Es ist sicher einmalig, dass eine Wirtschaft in so kurzer Zeit viermal den Namen wechselte! Heute beherbergt das Gebäude ein Coiffeurgeschäft und Wohnungen.
(Olbrich, Willi; Gastliches Wil, Wil 1989)