Arbeit & Wirtschaft

Restaurant "Gambrinus" bzw. "Bäregrabe"

Gastgewerbe · Arbeit & Wirtschaft

Gallus Niklaus Rüesch, der erst seit dem 26. Juli 1876 im Besitze des Wirtepatents war, eröffnete am 1. August jenes Jahres am Oberen Graben, gegenüber dem ersten Geldinstitut, der "Bank in Wyl", eine "Wein- und Speisewirtschaft zum Schweizerbund". Ganz in der Nähe des Viehmarktplatzes gelegen, bot er der "werthen Kundsame" reelle Getränke, schnelle und exakte Bedienung und versprach sich davon ein volles Lokal, vor allem an den Markttagen. Die Wirtschaft "Zum Schweizerbund" bestand aber nur bis 1878. Der neue Wirt, Bierbrauer Josef Wanner, verordnete als erstes einen standesgemässen Namen und nannte die Wirtschaft neu: "Gambrinus". Dieser "Gambrinus", der sagenhafte flandrische König aus karolingischer Zeit, der als Erfinder des Bierbrauens gilt und auch der Schutzpatron der Brauer ist, sollte von nun an über die Geschicke der Wirtschaft gleichen Namens wachen.

Josef Wanner übergab nach 1 1/2 Jahren den Betrieb an Max Kleemann, der bei der Eröffnung am 8. August 1880 gleichzeitig bekannt gab, dass er sein Schlossergeschäft in bewährter Art und Weise fortführen werde. Wie auch heute noch zu beobachten ist, musste auch früher der Wirt zusätzlich seinem angestammten Beruf nachgehen, damit er die Familie ernähren konnte. Kleemann verstand sich wohl aufs "Wirten". Er hielt im "Gambrinus" Konzerte ab oder lud zu gemütlichen Abendunterhaltungen ein. Als beson-dere Spezialität galten die gelegentlichen "Fischotteressen". Auf das 6. St. Gallische Sängerfest im August 1882 verfasste er die folgende Inschrift, die er am Bogen vor seiner Wirtschaft anbrachte:

"Als bin ich getauft, nennt man mich auch.

Das ist mir H...dewurst, wenn das Bier nur stillt den Durst.

Als 2. Bassist, ein Biertrinker er ist, wünscht den Sängern Bass zu diesem Nass; Auch die Tenoristen, kennt man als Humoristen, Kneipen sie gerne Bier, sind alle willkommen hier."

Max Kleemann wies zwar Humor auf, doch scheint ihn dieser verlassen zu haben, als er im September 1884 mit seiner Schlosserei Konkurs machte. Er wurde "landesflüchtig", und sein Mobiliar samt Schlosserei-Artikeln wurde am 26. September 1884 versteigert. In der Folge wechselten recht häufig die Wirte, bis ab 1922 mit August Goldinger wieder einmal ein Wirt für längere Zeit, für volle 19 Jahre, auf dem "Gambrinus" wirtete. Ab 1941 drehte sich das Wirtekarussell immer rascher, die Gastspiele wurden immer kürzer. Seit Anfang 1988 ist der "Gambrinus" geschlossen und soll neu als regionale Informationsstelle für Menschen mit Suchtproblemen eingerichtet und betrieben werden.

(Olbrich, Willi; Gastliches Wil, Wil 1989) Das "Gambrinus" wird heute als Bar mit dem Namen "Bäregrabe" geführt.

Bildarchiv (5)

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Quelle: wilnet.ch