Arbeit & Wirtschaft

Restaurant "Falken"

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Am Sonntag, 4. Mai 1873, eröffnete Lambert Hüll an der Marktgasse 7 eine "Bierhalle". Diese sei, gerade gegenüber der "Krone" gelegen, "comfortabel und mit neuem Billiard, zugleich auch als Restaurant und besonders des ausgezeichneten Wienerbiers halber, Jedermann bestens empfohlen." Mit diesem Inserat im "Wyler Anzeiger" wird der "Falken" erstmals dem Publikum vorgestellt. Dass Wirt Hüll dabei sogar die Konkurrenz, die "Krone" erwähnt, erstaunt heute. Die erste Wirtschaft zum "Falken" hatte dort gestanden, wo 1795 Reichsvogt Pankraz Grüebler das Baronenhaus erstellte. Der "Falke" ist auf der Ostfassade, oberhalb des Eingangs noch sichtbar. Die neue Bierhalle nun war ein kleiner Anbau - einem Sticklokal ähnlich - mit einer Terrasse und schmiegte sich eng an das stattliche Haus des Tuchhändlers Gottfried Barell an der Marktgasse.

Der Viehmarkt, erstmals am Maimarkt 1849 probeweise auf dem heutigen "Viehmarktplatz" durchgeführt, wurde zeitweise auch zwischen den Restaurants "Anker" und "Marktplatz" bis zum "Falken" hin abgehalten. So erstaunt es nicht weiter, dass sich in der Nähe der Stadtkirche zwölf Wirtschaften gute Einkünfte versprachen. Von diesen zwölf existieren heute noch vier. Lambert Hüll "zum Falken" bot im Sommer 1873 zwei Gläser seines Wienerbieres zu 25 Centimes an, ein Glas "gewöhnliches" Bier kostete nur 10 Centimes, wobei aber beide Sorten von ausgezeichneter Qualität seien. Bereits im Herbst 1873 verliess der erste Wirt seine "Bierhalle". Oscar Grüebler trat im September des selben Jahres seine Nachfolge an. Auf Weihnachten 1873 wurde in der "Bierhalle" erstmals auch "achter spanischer Wein" ausgeschenkt. Offen und in Flaschen war er zu haben, der weisse Schoppen zu 50 Rappen, der rote zu 45 Rappen. Am 14. März 1874 erfolgte bereits der nächste Wechsel. Karl Zürcher, der das Publikum darauf aufmerksam machte, dass von nun an das Billiardzimmer auch geheizt werde und jeden Nachmittag vier Stunden lang Kaffee ausgeschenkt werde, blieb ebenfalls nur kurze Zeit auf dem "Falken".

Seit 1877 hiess die Wirtschaft "Wein-, Bier- und Speisewirtschaft zum Falken". Zwischendurch wurde aber immer wieder inseriert unter der Bezeichnung: "Spanische Weinhalle zum Falken", vor allem natürlich, wenn echte spanische Weine angeboten wurden. Aber auch "Mäh-Wein" und "Heuer-Wein" wurde bestens empfohlen. Ausser der "ersten und echten spanischen Weinhalle zum Falken" entstanden neben dem Restaurant "Sonne" und an der Oberen Bahnhofstrasse weitere "Spanische Weinhallen". Am 2. Juli 1897 übernahm Gottfried Barell, der Tuchhändler von Gaiserwald, nach 1874 zum zweiten Mal, den "Falken". Er sollte der letzte Wirt werden, denn am 30. Juni 1907 verzichtete er auf die Weiterführung des "Falken", die Wirtschaft wurde aufgehoben. Barell führte die 1907 gegründete "Sparkasse der Administration" von 1915 bis zu seinem Tode im Jahr 1927, in seinem Haus an der Marktgasse befand sich die Einnehmerei. Der gesamte Barellsche Gebäudekomplex wurde im Jahr 1962 abgebrochen und der Neubau der "Sparkasse der Administration" errichtet.

(Olbrich, Willi; Gastliches Wil, Wil 1989)

Quelle: wilnet.ch