Arbeit & Wirtschaft

Restaurant "Blume"

Gastgewerbe · Arbeit & Wirtschaft

Von seinen grossen Bodenreserven verkaufte Nationalrat Friedrich Müller im Jahr 1880 ein Stück an F. Stadler, der es an Stickereifabrikant Adolf Kaderli weiterveräusserte. 1884/85 erbaute dieser auf dem Grundstück ein Wohnhaus mit Restaurationsbetrieb. Am 19. Juni 1895 nun gab Adolf Kaderli "einem geehrten Publikum zu Stadt und Land ergebenst" an, dass er in seinem Hause an der Unteren Bahnhofstrasse die Wirtschaft zur "Blume" eröffne. Er muss ein recht initiativer Wirt gewesen sein, der Neuerungen sehr aufgeschlossen gegenüberstand. Im Jahr 1897 wird nämlich ausdrücklich in den Zeitungen erwähnt, dass in der "Blume" seit einigen Tagen die "Ätylengasbeleuchtung" eingeführt wurde. Das Licht wird als ruhig und bedeutend heller als gewöhnliches Leuchtgas beschrieben. Adolf Kaderli hatte die erste dieser Anlagen in Wil, der bald weitere folgten.

Im Jahr 1901 erfolgte der erste Wirtewechsel, als Jakob Weibel die "Blume" käuflich erwarb. Er wirtete über zwanzig Jahre, bis 1921 mit der Übernahme durch Fridolin Stäheli ein Phase verschiedener, relativ kurzer "Gastspiele" begann. Erst 1935, mit Eduard und Maria Ruckstuhl-Scherrer, blieb ein Wirtepaar bzw. eine Wirtin wieder längere Zeit auf der "Blume". Dies ist sicher zum Teil auf die höchst interessanten Klauseln bei der Erteilung des Patentes zuruckzuführen. Es drohte nämlich der sofortige Entzug wenn:

1. Die Ehe nicht (!) geschieden werden sollte, 2. der Ehemann sich irgendwie am Wirtschaftsbetrieb beteiligen oder sich im Haushalt der Patentinhaberin aufhalten sollte, 3. die Wirtschaftsführung zu berechtigter Klage Anlass geben sollte. Harte, aber eindeutige Vorschriften! Genauso eindeutig wie in den späten 60er-Jahren, als der früheren Patentinhaberin Maria Ruckstuhl-Scherrer verboten wurde, sich an der Wirtschaftsführung weiterhin zu beteiligen.

(Olbrich, Willi; Gastliches Wil, Wil 1989)

Bildarchiv (2)

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Quelle: wilnet.ch