Auch in der Unteren Vorstadt finden sich viele Gaststätten, zum Teil mit weit zurückliegenden Ursprüngen. Das Speiserestaurant "Zum Bären" ist zwar "erst" 120 Jahre alt, hat sich aber alle die Jahre hindurch als gemütliches Quartierrestaurant bestens behauptet. Der "Bären" kann aber auf ältere Wurzeln zurückgreifen, scheint er doch identisch mit dem vielgesuchten "Ochsen" zu sein. Eine erste Wirtschaft mit dem Namen "Bären" stand seit 1559 in der Oberen Vorstand gegenüber dem "Adler", um zirka 1860 ging sie jedoch ein.
Der "Bären" am neuen Standort wird im Wirteverzeichnis erstmals 1866 erwähnt, und zwar erhielt Jakob Zingg am 25. April das Wirtepatent. Neben seiner Funktion als Wirt war Jakob Zingg vor allem auch Metzger, so dass er in seinen Inseraten auch immer wieder eigene Blut- und Leberwürste anpries. Über den Sommer empfahl er sich eher für "Gutes Bier, per 1/2 Liter zu 15 Rp."! Der "Bären" war damals auch beliebt als Gantlokal. Zum 6. St. Gallischen Sängerfest im August 1882 wurde folgende Inschrift angebracht:
"Der Kutschner sorgt für Pferd und Wagen, Der Metzger für den Sängermagen, Es geht aus "es", speist nur nach Noten, Wir sind in Wyl und nicht in Kloten.
Auch der Bär ist musikalisch, Besser als mancher Bassist er ist; Er zeigt, dass am tiefsten er brummt, Jawohl - wenn kein Sänger zu ihm kummt.
Das Metzgergeschäft und die Poesie, Sie passen so herrlich zusammen; Wie zolldicker Speck und Philosophie, Wie Wasser und lodernde Flammen; Drumm wenn mein Vers nicht nach eurem Geschmack, So lobt meine Würst' und Rindfleischgehack; Es bietet euch all' dies in Ehren, Jakob Zingg, Metzger zum "Bären".
Im Juni 1885 erfolgte die Übergabe der "Speise-Wirthschaft & Metzgerei z. Bären" an Jakob Sutter, der ebenfalls Metzger von Beruf war. Bereits zwei Jahre später wurde der "Bären" von August Seiler übernommen, dem ehemaligen "Hörnli"-Wirt. Doch hatte dieser wenig Glück und musste am 21. Oktober 1889 die Insolvenzerklärung abgeben. Nach einer Pause und einer gründlichen Renovation eröffnete am 9. Februar 1890 Fridolin Enz die Wirtschaft und Metzgerei zum "Bären" neu. Auch er bot seinen Gästen neben Getränken ein reiches Angebot an "täglich frischen Fleisch- und Wurstwaaren". Metzgeten gehörten ebenso wie Unterhaltungen zum jährlichen Programm des "Bären". So auch am Sonntag, 28. Juni 1892, wo ein "Concert" der "Gebrüder Gägele aus Meran (Tyrol)" die Besucher anlockte.
Im Jahr 1909 wurde der "Bären" an Fritz Howald verkauft, der jedoch bereits 2 Jahre später Konkurs anmelden musste.
Erst die "Geissberger's" legten den Grundstein für ein dauerhaftes Quartierbeizlein und ihre Nachfolger, das Wirteehepaar Pia und Max Süsstrunk-Kessler, pflegen seit bald 30 Jahren in ihrer heimeligen Gaststätte den Jass und die Geselligkeit.
(Olbrich, Willi; Gastliches Wil, Wil 1989) https://www.tagblatt.ch/ostschweiz/wil/der-baeren-zeigt-sich-gemuetlich-ld.592687 https://www.tagblatt.ch/ostschweiz/wil/der-baeren-ist-zum-abschuss-freigegeben-ld.595271 https://www.tagblatt.ch/ostschweiz/wil/wirtepaar-verlaesst-baeren-trotz-guter-umsatzzahlen-bleibt-aber-weiterhin-in-der-region-wil-ld.1071687











