Viele Wirtshäuser und Gaststätten führen den Adler im Wirtshausschild. Dem Adler als Wahrzeichen folgten ganze Völker, von den alten Persern, Hethitern und Römern, über das deutsche und österreichische Kaiserhaus bis heute diente und dient der "Aar" teils als Sinnbild für die höchste Gottheit, teils als Feldzeichen oder als Wappen. Dem Adler als majestätischem Beherrscher der Lüfte gilt auch heute noch grosse Bewunderung.
Ausgangs des "Oberen Tores" - dem einzigen noch erhaltenen Stadttor in Wil - steht das Restaurant und Hotel "Adler". Obwohl einst der alte "Bären" und die "Warteck" an derselben Strassenkreuzung standen, gab doch der "Adler" dem davorliegenden Platz seinen Namen. Als das für seine Zeit grosse Gebäude gebaut wurde, war das Strassengefälle zur "Oberen Vorstadt" hinaus um einige Prozente steiler. Die heutige Grabenstrasse war damals noch der eigentliche "innere Graben". Der stattliche Gasthof mit den grossen Pferdestallungen war damals von der Frontseite her bedeutend höher und dürfte nur durch einen Stiegenaufgang erreichbar gewesen sein. Übrigens wurde das erste schmiedeiserne Wirtshausschild vor 1900 gestohlen und das zweite musste des Verkehrs wegen von der Nordwestecke in den südlichen Teil der Hauptfront versetzt werden. Heute finden wir den "Adler" wieder an der Nordseite. Dank der ausgezeichneten Lage für Durchreisendeund auch dank tüchtiger Wirtsleute hat sich der "Adler" durch die Jahrhunderte bestens erhalten. Er zählt daher auch zu den ältesten noch betriebenen Gaststätten Wils.
Wann genau der "Adler" als Gasthaus eröffnet wurde, lässt sich nicht sagen. In den Ratsprotokollen des 17. Jahrhunderts finden sich aber verschiedene Stellen, die den "Adler" betreffen. So erscheint bereits im Protokoll vom 26. Januar 1615 eine Tavernenwirtschaft "Adler". Anno 1653 soll Thoma Wolff, der "Adlerwürth", gegen die Wirteordnung verstossen haben, indem er zusätzlich selber "metzgete". Es gelang ihm aber, den Rat davon zu überzeugen, dass er für seinen eigenen Haushalt geschlachtet habe. So ist er "der straff ledig" gelassen worden. Den Wirten war nämlich der Betrieb eines weitern Gewerbes verboten. Im gleichen Jahr wurde Thoma Wolff wieder verklagt, diesmal wegen Ausschankes von Wein im "Rothen Gatter". Dies war das Schankhaus des Hofs und als solches von der Umgeldpflicht befreit. Weil der Adlerwirt nun die Abgabenpflicht umgehen wollte, wurde die Klage eingereicht.
In einem Ratsprotokoll aus dem Jahre 1663 wurden 15 Wiler Wirte von der Obrigkeit verklagt, weil sie wider das Ratsmandat den Gästen Wein geborgt hatten. Diesen hatten sie zudem teuerer verkauft, als dem Umgelder angegeben. Folgende Wirte verfielen u.a. dabei der "Buoss": Der Kronenwirt, der Löwenwirt, der Wildenmannwirt, der Schäfliwirt, der Rössliwirt und auch der Adlerwirt.
Im Jahr 1664 wurde der "Adler" erstmals urkundlich als Verkaufsobjekt erwähnt. Notker Riggenschwiler mit Beistand seines Schwagers, Hans Caspar Ledergerws, Pfarrherrn zu Wuppenau, verkaufte ihn samt einer Scheune am Rindermarkt an Johannes Schnezer. Kaufpreis waren 1'300 Gulden und 3 Dukaten Trinkgeld, ohne Steuer-, Hofstätten- und Wachtgeld. Im Strassenurbar von 1774-1778 von Abt Beda Anghern findet sich ein weiterer Eintrag über den Ausbau des bestehenden "Adlers" zum stattlichen Gasthaus im späten Barockstil. Im späten 18. Jahrhundert wurde der "Adler"" zum Stammhaus der Familie Hug, die ihn bis 1840 im Besitz hatte. Franz Anton Hug, der es in Wil zu hohen Ehren brachte, erweckte im Mai 1819 in seiner Wirtschaft "Zum Adler" den alten Brauch der "Eierlesete" an Ostern zu neuem Leben. Dieser Brauch war früher eine österliche Volksbelustigung, indem entweder eine Anzahl hintereinander aufgestellte Eier einzeln eingesammelt wurden oder aber die Eier möglichst unbeschadet in Körbe oder Wannen geworfen werden mussten. Stets war damit ein Wettbewerb verbunden, und die Teilnehmer hatten in spezieller Aufmachung zu erscheinen, wobei vor allem Weiss vorherrschte. Der letzte Spross der Familie Hug, Genossenpfleger Eduard Hug erwarb sich grosse Verdienste um das gesangliche und theatralische Leben in Wil.
(Olbrich, Willi, Gastliches Wil, Wil 1989). https://www.tagblatt.ch/ostschweiz/wil/wo-die-marktfahrer-residierten-ld.598241 Nach einigen Pächterwechseln bietet der Adler heute unter dem neuen Namen "L'Olivier" orientalische und mediterrane Küche an. restaurant-lolivier.ch



















