Eingeweihte sprechen stolz von ihrem "Rennweg". Gemeint ist damit die etwas seitlich zur Oberen Bahnhofstrasse verlaufende Strasse. Dieses Teilstück der Toggenburgerstrasse, von der Grabenstrasse zum ehemaligen Stadttor beim Haus "Dr. Niederberger", ist denn tatsächlich auch eine initiative Geschäftsstrasse. Auf der linken Seite war man von jeher gastfreundlich; die fünf Häuser beherbergten nicht weniger als vier Gastbetriebe, nämlich zuerst die "Sonne", das "Café Vollmar, dazwischen die Eisenhandlung Stiefel, dann den "Bären" und als Abschluss den "Stammbaum".
Die Konditorei und das Café "Vollmar" war als alkoholfreies Lokal die letzte Neueröffnung und ist zugleich der einzige nicht mehr bestehende Betrieb an dieser Strasse. Am 12. Mai 1923 eröffneten Rudolf und Adele Vollmar das Café. Die "20er-Stückli" Marke "Vollmar" wurden bald in weitem Umkreis geschätzt und der Café-Betrieb etablierte sich zum beliebten Treffpunkt. Nach dem Tod von Rudolf Vollmar übernahm seine Frau den Betrieb allein. 1956, nachdem er die Meisterprüfung mit vorzüglichem Erfolg bestanden hatte, ging das Café mit Konditorei an den Sohn Rudolf über, die Liegenschaft verblieb jedoch im Besitz der Mutter. Rudolf Vollmar trat ganz in die Fussstapfen seines Vaters, die "Vollmar Patisserie" wurde zum Begriff. Umso grösser war das Bedauern der Wiler, als Mitte der 70er-Jahre das Geschäft eingestellt wurde. Am 15. Juni 1975 schloss das Café "Vollmar". Heute befindet sich in den Räumlichkeiten des ehemaligen Cafés ein Ladengeschäft für Haushalt- und Geschenkartikel der Firma Stiefel AG.
(Olbrich, Willi; Gastliches Wil, Wil 1989)