Nach einigem Hin und Her und Terminverschiebungen wird 1920 in der Thurau ein Flugtag ohne Mitwirken des VVW durchgeführt, der sich mit diesem Projekt schwer tut. "Es ist Vermerk zu nehmen, dass nun doch noch ein Flugtag zu Stande kam, veranstaltet durch Hrn. Kunkler (Henri Kunkler, St.Galler Flugpionier), mit beträchtlichem Andrang des Publikums; es wird neuerdings darüber diskutiert, ob nicht eine ähnliche Veranstaltung in besserer Ausgestaltung durch die Ad-Astra-Gesellschaft zur Durchführung gelangen soll. Beschlossen wird, mit letztgenannter Gesellschaft sich ins Einvernehmen zu setzen" (Comité 4.9.1920). "In das Arbeitsprogramm wird auch die Veranstaltung eines Flugtages" aufgenommen. Die Ad-Astra-Gesellschaft in Zürich verlangt pro Tag Fr. 1'000.-, dem Verein würden alle Einnahmen zufallen (Comité 12.11.1920). Der Anlass wird "unter Berücksichtigung verschiedener Momente auf den Auffahrtstag des nächsten Jahres (1923) zurückgelegt" (Comité 15.9.1922). Für die nächsten acht Jahre ist der Flugtag kein Thema für den VVW. Um in Wil "einen Flugtag zu inscenieren", möchte man mit Herrn Walter Mittelholzer in Verbindung treten (Comité 22.7.1930). Nachdem die Bewilligung des eidgenössischen Flugamtes endlich vorliegt, muss der Anlass verschoben werden, insbesondere deshalb, weil die Schiessplätze in der Thurau für die Sonntage im Herbst besetzt sind (Comité 26.9.1930). Es harzt bedenklich mit der Durchführung eines Flugtages. So wird am 13.9.1933 eine Konferenz einberufen "über die Abhaltung einer kleinen Flugveranstaltung in Wil." Neben dem Vorstand des VVW nehmen Vertreter der Sektion "Säntis" des Aeroclubs der Schweiz teil. Man habe sich im Vorstand schon "längere Zeit mit diesem Projekt befasst, (...) doch sollte etwas richtiges geboten werden, so dass mit einem guten Besuch gerechnet werden könnte." Es werden "Segelflüge und Motorpassagierflüge" in Aussicht gestellt. Für Fallschirmabsprünge und Akrobatikflüge wären grössere finanzielle Aufwendungen nötig. Für den Anlass wird das Frühjahr 1934 ins Auge gefasst, "weil noch wichtige Vorarbeiten zu treffen" sind und "auch die nötigen Arbeiten zur Instandstellung des Flugareals vorgenommen werden" müssen. Der Flugtag gelangte am 24.6.1934 zur Durchführung. Im Protokoll wird nur von den Finanzen berichtet. Es resultierte ein Einnahmenüberschuss von Fr. 99.15. Zudem wird vermerkt, dass für den "durch den Flugtag entstandenen Kulturschaden in der Thurau "Fr. 300.- an Fuhrhalter Voser ausbezahlt wurden" (Vorstand 22.2.1935).
Flugplatz in der Thurau Die Anregung des VVW stösst in Bern auf Gehör, nämlich "die Thurau als Stützpunkt für die Militärfliegerabteilung event. zu pachten und auszubauen" (Comité 26.9.1930). Eine Kostenberechnung der Direktion des Militärflugplatzes Dübendorf für einen Ausbau des Thuraugeländes zu einem Flugplatz ergibt einen Aufwand von Fr. 37'000.- bei einer Pistenlänge von 620 m und einer Breite von 200 m. "Bei einer Reduktion der Ausmasse auf 500/200 m würden sich die Kosten um ca. Fr. 10'000.- vermindern" (Vorstand 31.10.1934). Nach Ansicht der Direktion des Militärflugplatzes Dübendorf könnten für die erforderlichen Aushebungsarbeiten "ca. 40 Arbeiter während 1 - 2 Wintermonaten beschäftigt werden." Von der Gemeinde Wil wird ein Beitrag von Fr. 4'000.- erwartet. Hinsichtlich der Befürchtungen wegen möglicher Kulturschäden wird versichert, dass "vier Wochen vor der Heu- und Emdernte keine Fliegerübungen mehr stattfinden dürfen" (Konferenz vom 12.6.1935). Der Bund übernimmt zudem in ähnlichen Fälen eine "Inkonvenienz-Entschädigung von Fr. 50.- pro Juchart." Ausserordentliche Schäden werden besonders vergütet. Der Ortsverwaltungsrat wird ersucht, "sich möglichst bald zu entscheiden, ob er bereit sei, die Thurau zum Zwecke der Errichtung eines Militärflugplatzes zur Verfügung zu stellen" (Konferenz 12.6.1935). Die Vorstandssitzung vom 19.9.1935 nimmt Kenntnis von der "Genehmigung des Abkommens betreffend Ausbau des Militärflugplatzes in der Thurau mit dem eidg. Militärdepartement."
(aus: 125 Jahre Wil Tourismus 2009)