Arbeit & Wirtschaft

Die Altarbaufirma "Müller"

Wiler Altarbauer · Arbeit & Wirtschaft

Die Gründung der Altarbaufirma "Müller" in Wil fällt ins Jahr 1840.

Unter dem Namen "Gebrüder Müller" waren Franz und August Müller gemeinsame Inhaber des Betriebs. Die im Handelsregister als "Kollektivgesellschaft" eingetragene Firma war ein Familienunternehmen, das nicht nur die beiden Besitzer beschäftigte, sondern auch den Schwiegersohn von Franz Müller, Beda Klaus. Neben den familieneigenen Kräften sind wohl schon sehr früh Angestellte zugezogen worden. Die Zahl der Betriebsangehörigen und deren berufliche Qualifikation konnte nicht genau eruiert werden, da fast kein Quellenmaterial vorliegt.

Franz Müller machte einen Unterschied zwischen Arbeitern und Angestellten. Wenn er davon spricht, dass "zwei unserer Arbeiter während des Aufstellens" der Altäre für "ca. 8 bis 10 Tage" von der Gemeinde (Alterswil) in Kost und Logis gehalten werden müssen deutet das darauf, dass Müller mindestens zwei erfahrene Schreinermeister in seinem Atelier beschäftigt hat; denn diese Arbeit konnte keinem Ungelernten anvertraut werden. Dazu kamen wohl einige Schreinerlehrlirige, sicher mehrere Vergolder, Maler und möglicherweise ein Bildhauer.

Da sich Franz August Müller in Briefen gelegentlich über seine Angestellten geäussert hat, sind wir über die Werkstatt unter seiner Regie (offiziell vor 1887 bis 1912) etwas besser orientiert. Um 1890 scheinen Müller die Vergolder einige Sorgen bereitet zu haben. "Diese Leute sind von jeher am schwierigsten zu bekommen." 1888 schrieb Müller zur Entschuldigung wegen der verspäteten Lieferung eines Altars nach Lullt' ..."Mon premier doreur qui travaille dans nos ateliers depuis 30 ans est tombé malade taut à l'improviste et je crains qu'il ne sera plus retabli..." Man darf auch für andere Mitarbeiter langjährige Anstellungsverhältnisse annehmen.

Franz August Müller war um die Weiterbildung seiner Angestellten bemüht. "Notre sculpteur Max Geiger se trouvant pendant l'hiver à Munich, oü ä cöte de ses travaux il s'occupe d'etudes, j'ai dü pour cela faire faire par lui vos statues en cette ville..."

Nach 1912 hat Alfred Müller die Firma bis zu seinem Tod 1940 weitergeführt. Er beschäftigte vier Leute in der Werkstatt, einen Bildhauer, einen Kunstschreiner, einen Fassmaler und eine gelegentliche Aushilfe und arbeitete selber kaum je als Handwerker, sondern fast ausschliesslich im Büro als Entwerfer und Zeichner von Plänen.

Der administrative Teil des Unternehmens wurde während der ganzen Zeit seines Bestandes von den jeweiligen Firmeninhabern betreut, was sich z.B. damit belegen lässt, dass die Geschäftskorrespondenzen in immer denselben Handschriften - eindeutig als diejenigen von Franz Müller, selten August Müller,und Franz August Müller identifizierbar - verfasst sind.

Ueber die Arbeitsvorgänge in der Werkstatt, die allfällige Verwendung von mechanischen Hilfsmitteln oder eine teilweise Industrialisierung des Betriebs gibt es leider überhaupt keine Zeugnisse. Nicht gesichert ist auch der erste Standort der Werkstätte. Franz Müller lebte zumindest in den Dreissiger Jahren im "Haus zum Zebra", Kirchgasse 3, schräg gegenüber dem Steinhaus. Vermutlich befand sich dort ebenfalls sein Atelier.

In einem Grundbuchvertrag von 1885 erscheinen Franz und Franz August als Bewohner der Liegenschaft Toggenburgerstrasse 30, wo die Altarbauerwerkstätte bis 1940 untergebracht war. Dieser Bau dürfte in den frühen Achziger Jahren entstanden sein, und möglicherweise war Franz August Müller an der architek tonischen Gestaltung des Wohn- und Geschäftshauses beteiligt.

(Handke, Barbara; Die Altarbauer Müller und ihre Werke, Liz., Rapperswil 1978)

Quelle: wilnet.ch