Das "Übergangskonzept Stadtmuseum Wil"Ausgehend von den Tatsachen, dass in den bereits bestehenden Räumen, ohne grosse bauliche Eingriffe und mit einem bescheidenen finanziellen Rahmen bis zur Eröffnung des Hofs auch das Museum neu eingerichtet werden sollte, entwickelte eine Arbeitsgruppe unter der Leitung von Stadtarchivar Werner Warth ein "Übergangskonzept für das Stadtmuseum Wil". Dieses wurde vom Ortsbürgerrat und der Museumskommission genehmigt und zur Ausführung der Arbeitsgruppe übergeben.
Im Ausbaukonzept des Hofs ist in einer späteren Bauphase vorgesehen, auch den 3. Stock, der das Museum beherbergte, zu renovieren und das gesamte Stockwerk als Museumsgeschoss zu gestalten. Allerdings präsentierte sich der bauliche Zustand so schlecht, dass Alternativen gesucht und in der ehemaligen Flaschenabfüllerei der Hofbrauerei im Erdgeschoss auch gefunden wurden. Diese wurde als "Hofauditorium" für kleinere Ausstellungen, Vorträge und Konzerte umgebaut und wird nun als Übergangslösung für das Stadtmuseum genutzt. Der zeitlich begrenzte Rahmen einerseits wurde als Chance für eine grundsätzliche Neupräsentation begriffen. Zum anderen ist der Titel "Stadtmuseum Wil" bereits Konzept, indem darin die bauliche, aber auch die gesellschaftliche Entwicklung der Stadt als Thema erscheint. Wil als "wakkerpreisgekröntes" Gebilde besteht, objektiv betrachtet, heute zum grössten Teil weder bevölkerungsmässig noch baumässig nur in der historischen Altstadt. Vor der Öffnung der Stadt um 1834/35 wies Wil unter 10 % der Einwohnerzahl von heute auf, während um 1900 ebenfalls unter 10 % des heutigen Häuserbestandes schon erstellt war. Das Konzept für die Neugestaltung des Stadtmuseums beinhaltet darum zwei Hauptaspekte, nämlich einmal die Entwicklung des räumlichen Umfeldes, des "Lebensraumes Stadt Wil" und zum anderen die Darstellung des Alltags in der baulichen Hülle, in der gearbeitet, geboren und gestorben wird, also das "Leben im Raum Stadt". Zeitlicher Schwerpunkt sind das 19. und 20. Jahrhundert, wobei selbstverständlich zeitlich frühere Bezüge zu den einzelnen Themen ebenfalls gezeigt werden. Aus den über 2'700 Gegenständen der Sammlung werden bewusst relativ wenige, dafür in Bedeutung für die Stadt um so wichtigere Objekte präsentiert. Unter der Leitung von Stadtarchivar Werner Warth und Grafiker Fulvio Musso wurden Themenbereiche wie "Stadtentwicklung" oder "Leben in Wil" mit Themeninseln wie "Feuer und Wasser" oder "Industrie" gestaltet. An verschiedenen Orten laufen Filme zu den Themen, können Fotografien von Hand durchgeblättert werden oder Quellensammlungen eingesehen werden. Die Umsetzung der Themen mit Hilfe von Industriegestellen wurde nicht nur aus Kostengründen gewählt, sondern auch im Hinblick auf Veränderungen gefordert. Dank der Mithilfe von vielen Freiwilligen aus den Reihen der Ortsbürgergemeinde Wil konnte die Neueinrichtung kostengünstig durchgeführt werden, aber auch heute noch sind Freiwillige unentgeltlich für die Aufsichten einsetzbar. Am 31. März 2001 konnte das neue Stadtmuseum Wil eröffnet werden und ist jeweils Samstag und Sonntag von 14 - 17 Uhr zugänglich.
Selbstverständlich war und ist es eine der Hauptzielsetzungen, mit einer attraktiven Ausstellung grosse und kleine Besucher und Besucherinnen aus Wil und der Umgebung in das Museum und damit auch in den Hofkomplex zu locken. Es hat sich gezeigt, dass mit der zeitgemässen Präsentation und der Möglichkeit, ohne Scheu selber tätig zu werden, also Geschichte und ihre Darstellung im wahrsten Sinne des Wortes zu "begreifen", eine hohe Attraktivität erzielt wird. Eine frische Mischung aus Belehrung, sinnlichem Eindruck und klarer grafischer Gestaltung erfüllt unter anderem auch ein altbekanntes Ziel, die Identifikation mit dem Ort und seiner Umgebung, in dem "gelebt" wird, zu vermitteln und zu festigen.
Werner Warth, Museumsleiter / stadtmuseum-wil.ch/http://www.wilerbuerger.ch/

