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Pankratiusbrunnen, Pancratiusbrunnen

Brunnen · Raum

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Der Stadtbrunnen auf dem Hofplatz ist der älteste steinerne Brunnen der Stadt Wil. Erstmals taucht er in den Ratsprotokollen im Jahr 1596 auf. Der Stadtrat beschloss damals, dass "Meister Fridli Gruber in Rorschach söl machen ein fest Sach samt einem Mann druf, so in der Rechten ein Panner heben muss und in der Linken einen Schilt mit dem 'W' hat. Alles aus Rorschacher Stein. Dafür soll ihm geben werden 201 Gulden und ein ehrbar Trinkgelt." Der Brunnen sollte achteckig sein, eine Seite 18 Schuh breit und 5 1/2 Schuh hoch. Unter Aufsicht von Baumeister Konrad Langenhard wurde die Arbeit vollendet und verschlang die damals sehr respektable Summe von 1000 Gulden. Im Vertrag mit Meister Gruber war auch eine Garantiefrist von 10 Jahren vereinbart worden, eine Frist, die ohne weiteres eingehalten werden konnte. Erst nach 35 Jahren mussten nämlich kleinere Mängel behoben werden. Mitte des 17. Jahrhunderts wurde die Brunnenfigur des "Alten Schweizers" durch Bildhauer Hans Stadelmann erstmals neu geschaffen, der bekannte Maler Hans Ulrich Rissi bemalte sie und versah sie mit einem kupfernen Gürtel.

1672 war wieder eine Renovation nötig, wohl auch im Zusammenhang mit der im gleichen Jahr erfolgten Ueberführung der Gebeine des Märtyrers Pankratius von Rom nach Wil. Meister Hans Melchior Grüsing aus Rorschach übernahm die Ausführung. Aus den Notizen des Seckelmeisters wird einiges über die damalige Arbeitsweise deutlich. Um den Stein hart und dauerhaft zu machen, wurde er mit Ochsenblut und Unschlitt (=Fett) grundiert und zweimal mit heissem Leinöl getränkt und anschliessend mit Bleiweiss und Buntfarben bemalt. Mit Blei und Kitt wurden die Fugen abgedichtet, eine Arbeit, die 1726 wieder ausgeführt werden musste. 1773/74 wurden fünf neue Platten eingesetzt, die als Einzelfuhren vom Bauamt der Stadt St. Gallen bezogen wurden. Steinhauer Josef Peter Bär aus dem Bregenzerwald arbeitete mit sieben Maurergesellen ganze 70 Tage lang an der Instandstellung, was rechte Kosten verursachte. 1792 war wieder einmal die Brunnenfigur in so schlechtem Zustand, dass sie neu gemacht werden musste.

Der Bürgerschaft wurde am 8. Mai 1842 vom Gemeinderat ein Gutachten über die Anschaffung eines neuen steinernen Brunnens auf dem Hofplatz vorgelegt. War ein paar Jahre zuvor, bei der Strassenkorrektion von 1834/35, die auch im Bereich Hofplatz einschneidende Aenderungen mit sich gebracht hatte, der alte Brunnen abgerissen worden ? Nein, der Brunnen war noch vorhanden, doch war er in einem so schlechten Zustand, dass er jeden Tag einzustürzen drohte. Der Gemeinderat war nach einem Augenschein der Auffassung, dass eine Reparatur oder Renovation nichts mehr ausrichten könne, der Brunnen müsse neu erbaut werden. Die Gemeindeversammlung stimmte dem Neubau zu, wobei als Standort die "technische Mitte" des Platzes vorgegeben wurde. Allerdings schien dem Gemeinderat der Ort nicht ganz gelungen, er beschloss, ihn "5 Schuh von der (...) Mitte vom Anker links der Strasse, Gränze gegen Mittag das dortige Strassengräblein, und 2 bis 3 Schuh aufwärts gegen Hof" zu erstellen. Daraufhin verlangte am 8. Juli 1843 eine Eingabe von 42 Bürgern eine ausserordentliche Bürgerversammlung mit dem Traktandum, den neuen Brunnen an der Stelle zu erstellen, die ihm nach altem Recht zustände. Am 16. Juli 1843 beschloss die Gemeindeversammlung nach eingehender Beratung, dass der neue Brunnen wieder an der Stelle des alten Brunnens gebaut werden solle. Bereits vorher war versucht worden, den alten Brunnen abzubrechen. Dabei fiel Zimmermann Pankraz Moser aber das Gerüst mit dem "Alten Schweizer" zusammen, die Figur zerbrach. Da war es glückliche Fügung, dass vom erst 1792 erbauten und 1834 bereits wieder abgebrochenen Pankratiustor (es stand etwas unterhalb der Untern Mühle an der heutigen Oberen Bahnhofstrasse) noch die Figur des Pankratius erhalten geblieben war. Diese war ein Werk des bekannten Bildhauers Johannes Wirthensohn aus Frauenfeld. In einem Schreiben des Wiler Gemeinderats vom 10. Juli 1843 an die Ortsgemeinde Wil, die noch immer für alle Brunnen verantwortlich war, wurde nun angeregt, diese Figur an die Stelle der zerbrochenen zu stellen, was dem Stadtbrunnen bald den Namen "Pankratiusbrunnen" eintrug.

Morsch geworden, musste 1922 die Brunnenfigur durch eine dem Original ziemlich ähnliche Kopie von Eduard Bick ersetzt werden, der auch die bronzenen Bärenköpfe der Brunnenröhren schuf. Bruchstücke der alten Pankratiusfigur von Wirthensohn sind heute noch im Stadtmuseum zu sehen. 1996 wurde der Stadtbrunnen gründlich renoviert und anstelle eines unleserlichen Brunnenspruches wurde ein neuer Vers gesetzt.

Bildarchiv (6)

Pankratiusbrunnen_-01.jpgPankratiusbrunnen_-02.jpgPankratiusbrunnen_um_1920.jpgPankratiusbrunnen.jpgKriegerbrunnen_Hofplatz.jpgPancratiusbrunnen-10-07-1843.jpg

Quelle: wilnet.ch