Tüüfels-Gilde sorgt für Erhaltung des Brauchtums "Tüüfel! Tüüfel! Tüüfel! "... Dieser Ruf schallt um die Fastnachtszeit seit gut 400 Jahren durch die Wiler Gassen und Strassen. Um das Tüüfelsbrauchtum zu erhalten, um der jungen Generation das ursprüngliche "tüüfeln" beizubringen und um negative Schlagzeilen oder gar ein Tüüfelsverbot zu verhindern, hat sich die Gruppe der "Tüüfels-Gilde" Wil gebildet. Markenzeichen dieser Obertüüfel sind die weissen Leinenkleider mit Schellengurt, Nachfertigungen eines Originalkostüms aus dem Landesmuseum Zürich, die selbstgebastelten, furchterregenden Masken und die schwingenden "Saublotere".
Wechselvolle Geschichte Die Wiler Symbolfigur, eben die "Tüüfel" werden jeweils im Rahmen der traditionellen Fastnachtseröffnung wieder losgelassen. Als ursprünglichster, weil einziger historisch belegter Teil der Wiler Fastnacht kann der "Tüüfel" auf eine lange, wechselvolle Geschichte zurückblicken. Bereits 1595 wird er in einem Ratsmandat gegen das Fastnachtstreiben beschrieben. Das Tüüfelsbrauchtum konnte sich bis in unser Jahrhundert retten, dies obwohl es zwischenzeitlich immer wieder verboten wurde. 1951 wählte die frisch gegründete Wiler Fastnachtsgesellschaft (FGW) den Tüüfel zu ihrem Wahrzeichen. Damit wurden die wilden Tüüfel erstmals in einen organisierten Fastnachtsablauf eingebettet. Dies bewirkte zum einen eine starke Disziplinierung, wie sie von Behörden und von Teilen der Bevölkerung gefordert worden war, zum anderen aber resultierte auch eine rasche Abnahme des Durchschnittsalters der Tüüfel. Als in den 70er Jahren am "Gümpelimittwoch" gegen 400 Tüüfel gezählt wurden, war dies ein Höhepunkt in der langen Geschichte, doch zeigten zugleich die verschiedenen, zum Teil berechtigten Berichte über Sachbeschädigungen oder gar Körperverletzungen, dass die Wiler Tüüfel sich von ihrer Aufgabe als Brauchtumsträger immer mehr zu 'Raufbolden' ohne Verständis für ihre Rolle entwickelten.
Tüüfels-Gilde Die negativen Schlagzeilen und drohende Verbote bewogen eine Gruppe Erwachsener, den Tüüfelsbrauch wieder in den Griff zu bekommen. Als lose Vereinigung sammelten sich die "Obertüüfel" jeweils zur Fastnachtszeit und begannen, die urtümliche Strassenfastnacht wieder aufleben zu lassen. Sie nannten sich "Tüüfels-Gilde" und setzten sich, unabhängig von der FGW, für das alte Brauchtum ein, dies aus reinem Idealismus und aus Freude an der Wiler Fastnacht. Aus der lockeren Gruppe ist heute eine ansehnliche Vereinigung geworden, die sich nach wie vor unabhängig von der FGW und mit viel Idealismus für die Wiler Fastnacht einsetzt.
Die "Weiss-Narren"
Höhepunkt der "Tüüfels-Gilde" war die Anschaffung eigener neuer Gewänder, dies zum Jubiläum '399 Jahre Wiler Tüüfel' vor zwei Jahren. Die Kostüme sind Nachfertigungen eines Original-Tüüfelsgewandes aus dem Landesmuseum und Markenzeichen der heutigen "Obertüüfel" oder "Weiss-Narren". Auf die weissen, leinenen Hosen und den an Achseln und Rücken bemalten Butzenrock, auf die unterschiedlichen Schellengurte und die handgefertigten Masken dürfen die Mitglieder der Tüüfels-Gilde zu Recht stolz sein. Heute gehören rund 40 Tüüfel, erwachsene Männer und Frauen zwischen 25 und 50 Jahren, zu dieser Gilde und beleben zwischen Gümpelimittwoch und Fastnachtssonntag die Wiler Strassen.
Das "Tüüfeln" im Blut "Wir sind kein Verein, wir kennen keinen eigentlichen Obertüüfel", meint Gründungsmitglied Herbert Weber. "Die Tüüfels-Gilde wird von einem Gremium von 5 bis 6 Aktiven geleitet." Zu den Ansprechpartnern gehören Fredy Rüegg, Roli Aeschlimann, Herbert Weber, Markus Rüegg und Terry Ochsner. Mitglied werden kann, wer mit dem Brauchtum vertraut ist, wer 25 Jahre und älter ist und sich für die Fastnacht verdient gemacht hat. Vorwiegend sind es Fastnächtler, die schon zuvor zu den Wiler Tüüfeln gehört haben. Auch die Kostüme werden nicht einfach weitergereicht, sondern möglichst innerhalb der Familien vererbt. "Die besondere Beziehung zum Wiler Tüüfel ist eine wichtige Voraussetzung, um den Brauch am Leben zu erhalten", ist Herbert Weber überzeugt.
Nicht nur die weissen Tüüfel beleben das Bild der Strassenfastnacht, sie sind einfach die Leitwölfe. Die schwarz-roten Tüüfel mit ihren "Saublotern" und grimmigen Masken, mit Katzenfell und Hörnern, sind nach wie vor wichtiger Bestandteil des Brauches und sind jederzeit bei der Gilde willkommen. Mehr noch, es ist der Gilde ein echtes Anliegen, die Tüüfel etwas zu führen, gross und klein den ursprünglichen Tüüfelsbrauch näherzubringen. Schon deswegen treffen sich alle Tüüfel ja bereits am Gümpelimittwoch nachmittag in der Tüüfelshöhle (hinter der Bäckerei Dürr). Höhepunkt ist dann die traditionelle Fastnachtseröffnung mit dem Tüüfelsumzug durch die Wiler Altstadt.
(Wiler Jahrbuch, Wil 1996) Aktuelles zur Wiler Tüfels-Gilde unter: wiler-tüüfel.ch/…_ Rechtzeitig zur Fastnacht 2009 hat der Wiler Multimediakünstler Renato Müller den Wiler Fastnachtsmarsch aktualisiert. Hier ist er !











