Schnitzelbänke Die Schnitzelbank ist eigentlich ein fastnächtliches Spottlied. Ihre Vortragsform hat die Art des Bänkelsangs. Zu den Versen gehören Bilder, in Basel „Helgen“ genannt, die eine Strophe möglichst treffsicher illustrieren. Die Pointe der Verse liegt immer erst in der letzten Zeile. Darin liegt die Kunst einer Schnitzelbank, die eine ausgeklügelte Form des Verseschmiedens darstellt.
Begleitet wird der Gesang mit einem Instrument, z.B. einer Gitarre oder Handorgel. Es gibt typische, klassische Schnitzelbank-Melodien, die aber je länger je mehr von aktuellen Ohrwürmern abgelöst werden.
Wil ist alles andere als eine Hochburg für Schnitzelbänke, die zur Fastnachtszeit öffentlich vorgetragen werden. Die früheste Kunde einer Schnitzelbank überliefert ein Flugblatt von 1906 (Bild …). In unserer Zeit wissen wir von gelegentlichen Auftritten der Gruppe „Chratzbörschte“ unter der Leitung von Christoph Sutter, einem begabten, phantasiereichen Verseschmied. Dann sind es vor allem zwei Gruppen, die über längere Zeit ihre Bänke zum besten gaben und geben:
Die Wiler Schnitzer, aktiv von 1976 bis 1996, und wieder ab 2002 bis in die Gegenwart am Hofnarrenball der FGW. Ihr bevorzugter und regelmässiger Auftrittsort war am Fastnachtsdienstag der Kostümball der WIDIFABA, mit Absicht etwas verkehrt abgekürzt Wiler Fastnachtsdienstag-Bande, einer vom Fastnachtsvirus befallenen Gruppe von Fastnächtlerinnen und Fastnächtler, die diesen Anlass organisierten und gestalteten. Die Teilnehmer dieses Balls, stets nach einem Motto kostümiert, kamen in den Genuss einer fastnächtlichen Produktion und einer Schnitzelbank. Die Schnitzer wagten auch bisweilen einen Abstecher an den Bürgertrunk in der Tonhalle, waren regelmässig Gäste am Schlussabend der FGW am Fastnachtssonntagabend und schliesslich am Hofnarrenball. Bei ihrem 10. Auftritt bei der FGW wurden die Wiler Schnitzer mit dem Verdienstorden der FGW geehrt.
Franz Rüttimann war der beherzte und begeisterte Leiter der Wiler Schnitzelbanksänger. Sie waren aktiv von … bis … Sie machten jährlich nach genauem Fahrplan ihre Tournee und zogen von Wirtschaft zu Wirtschaft. Überall wartete eine grosse Gästeschar auf ihren Auftritt. Man war gut beraten, wenn man sich frühzeitig einen Platz reservierte, denn der Andrang war gross. Ein Zeichen, dass in Wil das Publikum für solche Darbietungen durchaus vorhanden war. Für ihr engagiertes, langjähriges Wirken wurden die Wiler Schnitzelbanksänger 19.. mit dem kulturellen Anerkennungspreis der Stadt Wil ausgezeichnet.
(aus: Fastnacht in Wil, Wil 2014)
